Öffentliche Sportangebote nutzen meist nur Männer

Marzahn-Hellersdorf. Die Idee einer Frauensporthalle für den Bezirk nimmt konkrete Gestalt an. Das Bezirksamt beschreitet damit neue Wege bei der Förderung der Frauen und des Sports.

Frauen ticken anders als Männer. Diese Binsenweisheit hat sich Bürgermeister und Sportstadtrat Stefan Komoß (SPD) zu eigen gemacht und im Februar die Idee einer Frauensporthalle im Bezirk verkündet. Als Ort für die Leibesübungen ist derzeit die Sporthalle im Freizeitforum Marzahn im Gespräch. Unabhängig von der Standortwahl wird es eine Frauensporthalle auf jeden Fall 2014 geben, verspricht Komoß. Vor zwei Jahren hat eine Bestandsaufnahme zur Nutzung der Sporthallen nach Geschlechtern ergeben, dass nur ein Drittel der Mitglieder in den Sportvereinen Frauen sind. Ganze zwei Drittel sind Männer. Die öffentlichen Sportangebote werden also wenig von Frauen genutzt. Frauen gehen, wenn sie Sport machen, eher ins Fitnesscenter.

Die Kosten für die Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter sind, so ergab die Analyse, den Frauen zu hoch. Sie wollen nicht mehr als zehn bis 20 Euro im Monat ausgeben. Viele Frauen verzichten daher auf Sport.

Diese Ausgangsannahme der Analyse wurde inzwischen durch eine kürzlich abgeschlossene Studie noch einmal bestätigt. "Es gibt einen Bedarf an Frauensport, der von den Vereinen bisher nicht gedeckt werden kann", stellt Eva-Maria Beck, Dozentin an der Alice Salomon Hochschule fest. Sie hat die Studie erstellt.

Frauen stehen weniger auf Mannschafts- und Wettkampfsportarten, wie sie meist in den Sportvereinen betrieben werden. Sie ziehen Gymnastik, mit zunehmenden Alter Gesundheitssport und Fitness vor. Dabei bevorzugen sie kleine, offene Gruppen. Auch die starren, von den Vereinen festgelegten Trainingszeiten kommen vielen Frauen nicht entgegen. Die Fitnesscenter, die das bieten, sind den meisten Frauen aber viel zu teuer.

Eine Arbeitsgruppe des Bezirksamtes hat neun mögliche Frauensporthallen besichtigt. Favorit ist die Halle im Freizeitforum Marzahn. "Gespräche über die Einrichtung einer Frauensporthalle sind mit der Betreibergesellschaft des FFM, der GSE, angelaufen", sagt Komoß.


Harald Ritter / hari
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