Zahl der Rückstellungen im Bezirk berlinweit am höchsten

Marzahn-Hellersdorf. Immer mehr Kinder werden nach den Einschulungsuntersuchungen um ein Jahr zurückgestellt. Gleichzeitig steigt der Förderbedarf von Erstklässlern.

262 Kinder mussten in diesem Jahr in Marzahn-Hellersdorf zurückgestellt werden. In keinem anderen Berliner Bezirk waren es mehr. Berlinweit erfüllt jedes zehnte Kind nicht die Anforderungen, um eingeschult zu werden. Vor sieben Jahren beschloss der Senat, das Schuleingangsalter zu senken. Die Kinder sollten schon mit fünfeinhalb Jahren in die Schule gehen. Um die Entwicklungsunterschiede bei den Kindern auszugleichen, wurde die sogenannte flexible Schuleingansphase eingeführt. Kinder der ersten beiden Klassenstufen lernen seitdem zusammen.

Die schlechten Ergebnisse der Kita-Abgänger deuten aber darauf hin, dass die Entwicklungsunterschiede in dem Alter größer sind, als gedacht. Özcan Mutlu, Bildungsexperte von Bündnis 90/Grüne, fordert daher das Einschulungsalter auf sechs Jahre anzuheben.

Selbst die Linke scheint von dem gemeinsam mit der SPD im rot-roten Senat beschlossenen allgemeinen frühen Schuleintritt abzurücken. Dagmar Pohle (Die Linke), Stadträtin für Gesundheit und Soziales, könnte sich vorstellen, das Schuleingangsalter künftig zu spreizen. "Es muss möglich sein, eine Einschulung sowohl mit fünf Jahren vorzunehmen als auch mit bis zu sieben Jahren", sagt sie.

Die Gesundheitsstadträtin hat kürzlich dem Bezirksamt den Bericht zu den Einschulungsuntersuchungen 2011 vorgelegt. Danach mussten 266 Kinder aufgrund von Entwicklungsverzögerungen von einem Schulbesuch zurückgestellt werden. Das war ein Anstieg von 2010 um fast zwölf Prozent. Und damit hat sich eine negative Entwicklung fortgesetzt.

Aber auch bei den Kindern, die eingeschult wurden, bestehen erhebliche Defizite. In fast allen Tests zum Sprachverhalten schneiden die Kinder aus Marzahn-Hellersdorf im Berliner Vergleich am schlechtesten ab. Auch die Ergebnisse im Bewegungs- und Sozialverhalten bewegen sich auf diesem schlechten Niveau. Rund die Hälfte der Kinder, die inzwischen eine Grundschule besucht, hat daher zusätzlichen Förderbedarf.


Harald Ritter / hari
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