Ängste alleine helfen nicht

Elena Marburg ist die Integrationsbeauftragte des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf. (Foto: hari)

Marzahn-Hellersdorf. Elena Marburg ist seit 1990 im Bezirk für die Arbeit mit Migranten zuständig. Mit der langjährigen Integrationsbeauftragten des Bezirksamtes sprach Berliner-Woche-Reporter Harald Ritter.

Frau Marburg, Sie sind selbst ein positives Beispiel für Integration. Sie sind in Bulgarien geboren und seit Jahrzehnten in Deutschland, also gut angekommen und gut angenommen?

Elena Marburg: Das kann man so sehen. Nach Deutschland, damals in die DDR, kam ich der Liebe wegen. Mein Mann ist geborener Deutscher. Er, meine Familie, Freunde und Kollegen haben mich auf diesem Weg unterstützt und viel geholfen. Ohne das wäre es unendlich schwerer gewesen.

Was verstehen Sie persönlich unter Integration?

Elena Marburg: Dass man in Deutschland ohne Ängste vor Ausgrenzungen leben kann, dass man die Gesellschaft versteht und sich von ihr anerkannt fühlt. Als Deutsche, die in einem anderen Land geboren ist, will ich mich mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen und einbringen können. Weder meine Haar- oder Hautfarbe noch mein Akzent sollen mich daran hindern.

Hat Sie der Widerstand gegen die Asylbewerberheime in der Carola-Neher-Straße und aktuell in der Schönagelstraße überrascht?

Elena Marburg: Nicht wirklich. Vielleicht die Heftigkeit, die Hartnäckigkeit dieses Widerstandes. Um das Flüchtlingsheim in der Carola-Neher-Straße hat sich aber die Aufregung relativ schnell gelegt. Marzahn-Hellersdorf hat eine erfolgreiche und gute Tradition bei der Aufnahme von Migranten. Man denke nur an die zahlreichen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion, nicht nur russlanddeutsche Spätaussiedler, oder an die Menschen aus Vietnam, die im Bezirk inzwischen leben und von denen viele ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben.

Aber bei Weitem nicht alle. Es gibt auch viele Fälle, wo die Integration scheitert. Welche Ursachen sehen sie dafür?

Elena Marburg: Ich will nichts schön reden. Es gibt viele Probleme, vor denen Migranten stehen und vor die unsere Gesellschaft durch sie gestellt wird. Jeder bringt seine eigene Kultur und seine eigenen Fähigkeiten mit. Manchmal reicht es oft nicht, um ein neues Leben wirklich erfolgreich in dem neuen Land anzufangen. Unsere Aufgabe ist es, Barrieren wegzuräumen und möglichst gute Startbedingungen zu schaffen.

Was wäre an den Startbedingungen für Migranten aktuell zu verbessern?

Elena Marburg: Beispielsweise bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen oder bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Da sind wir inzwischen auf einem besseren Weg, weil die deutsche Wirtschaft mehr junge Menschen braucht als sie Deutschland selbst bieten kann.

Die Flut von Flüchtlingen, vor allem aus Syrien und anderen arabischen Länder, wirft neue, größere Probleme auf als bisher bekannt. Wie sollten wir damit umgehen?

Elena Marburg: Wir haben in den 1990er-Jahren auf dem Höhepunkt der Balkankrisen allein 12.000 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien im Bezirk untergebracht, übrigens auch zum Teil in Wohncontainern. Davon ist heute nichts mehr zu sehen und zu hören. Allerdings wissen wir angesichts der Weltlage nicht, was noch auf uns zukommt. Ängste allein helfen aber in keiner Situation. Probleme löst man nur mit vernünftigem Handeln.


Harald Ritter /
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