Flüchtlingsrat fordert schnellere und wirksamere Hilfen

In der winzigen Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates herrscht derzeit Hochbetrieb. (Foto: Kahle)

Berlin. "Wir sind über die Arbeit der Innen- und Sozialverwaltung des Senats ziemlich entsetzt", sagt die Sprecherin des Flüchtlingsrates Berlin, Martina Mauer. Der Flüchtlingsrat ist ein Netzwerk von Gruppen und Einzelpersonen, die sich für die Rechte von Flüchtlingen engagieren.

Aktuell fordert der Flüchtlingsrat, dass bei den für die Aufnahme von Asylsuchenden zuständigen Behörden mehr Personal eingesetzt wird. Vor allem die Zentrale Aufnahmestelle und die Zentrale Leistungsstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales seien angesichts steigender Zugangszahlen völlig unterbesetzt.

Das Personal arbeite derzeit an seiner Leistungsgrenze. Der Personalmangel führe jedoch dazu, dass es oft keine zeitnahe Leistungsgewährung für die zum Teil völlig mittellosen Flüchtlinge gebe. Medizinische Versorgung, die Ausstellung des Berlinpasses, die Zuweisung einer Unterkunft sowie die Gewährung von Leistungen zum Lebensunterhalt zögen sich zu lange hin.

Wie die Beispiele Oranienplatz und Gerhart-Hauptmann-Schule sowie das Chaos bei der Unterbringung der Flüchtlinge zeigten, "vertritt die Senatsinnenverwaltung eine Hardlinerposition, und die Sozialverwaltung ist absolut überfordert mit der steigenden Zahl von Asylsuchenden", so Martina Mauer. Die Sprecherin kritisiert das "drastische Absenken der Standards bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Containern und Traglufthallen". Erforderlich seien Wohnungen für Flüchtlinge statt diskriminierende Sammellager. Letztere könnten nur eine kurzfristige Lösung zur Vermeidung von Obdachlosigkeit sein, so Mauer.

Die oft traumatisierten Flüchtlinge brauchten private Rückzugsmöglichkeiten, das heißt eigene Wohnungen oder zumindest abgeschlossene Wohneinheiten in den Sammelunterkünften.

Vor allem in diesem Bereich sei ehrenamtliches Engagement gefragt. Es gebe einen großen Bedarf bei der Unterstützung zur Wohnungssuche, bei der Begleitung und bei der Herstellung von Kontakten zu Vermietern. Martina Mauer zeigt sich in diesem Zusammenhang zutiefst besorgt über die gegenwärtige Mobilisierung gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte. Hier sei eine klare Positionierung gegen fremdenfeindliche Aktionen gefordert.

Der 1981 gegründete Berliner Flüchtlingsrat besteht aus rund 80 Mitgliedern. Das sind sowohl Einzelpersonen als auch Initiativen und Vereine. Hinzu kommen noch einmal rund 50 Fördermitglieder. Der Berliner Flüchtlingsrat trägt zur Vernetzung und Qualifizierung aller in der Berliner Flüchtlingsarbeit tätigen Haupt- und Ehrenamtlich bei. In der Geschäftsstelle herrscht derzeit Hochbetrieb. Anfragen werden beantwortet, Aktionen vorbereitet, Gespräche mit Politikern geführt.

Der Flüchtlingsrat finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Fördermitglieder, projektbezogene Zuwendungen und Spenden. Ehrenamtliches Engagement ist möglich durch die Mitarbeit in lokalen Initiativen.

In Berlin gibt es derzeit etwa 20 Willkommensinitiativen und zahlreiche Beratungsstellen für Flüchtlinge. Anlaufstellen für ehrenamtliches Engagement sind auch die Integrationsbeauftragten der Bezirke.

Weitere Infos gibt es auf www.fluechtlingsrat-berlin.de.

Michael Kahle / m.k.
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