Gangway-Streetworker Uwe Heide: "Kinder und Jugendliche brauchen Werte"

Streetworker Uwe Heide vom Verein Gangway fordert mehr Wertevermittlung in den Familien. (Foto: hari)

Die Gewalt von Kindern und Jugendlichen im Bezirk hat wieder zugenommen und nimmt in Berlin einen Spitzenplatz ein. Berliner-Woche-Reporter Harald Ritter sprach über Ursachen und Schlussfolgerungen mit Uwe Heide, Streetworker vom Verein Gangway in Marzahn-Mitte.

Herr Heide, überrascht es Sie, dass Marzahn-Hellersdorf mit die höchsten Zahlen hinsichtlich der Jugendgewalt hat?

Uwe Heide: Schon ein wenig. Wir Streetworker führen hierzu keine Statistiken, sondern erleben die Probleme täglich, ähnlich wie jeder andere Bürger. Wir sind nur noch näher dran, halten den Kontakt mit den Jugendlichen und nutzen, wo das geht, unsere Möglichkeiten, auch mit Tätern zu sprechen.

Was ist für Sie an den Ergebnissen des neuesten Monitorings zur Jugendgewalt in Berlin überraschend?

Uwe Heide: Wie die meisten anderen Menschen habe ich hauptsächlich bei dem Begriff Jugendgewalt Messerstechereien oder Körperverletzungen schwerster Art wie sie immer wieder beispielsweise am Alexanderplatz in Mitte vorkommen im Kopf. So etwas gibt es in Marzahn-Hellersdorf eher seltener, zumindest in Marzahn-Mitte, wo ich tätig bin, und nur darüber kann ich wirklich sprechen.

Was sind denn dann die Formen von Gewalt unter Jugendlichen, denen Sie begegnen?

Uwe Heide: Das sind Revierkämpfe, meist zwischen Gruppen von Jugendlichen. Da erhebt eine Gruppe den Anspruch, ein Platz oder eine Jugendeinrichtung gehöre allein ihr. Dann kommen andere, machen ihr diesen Platz streitig und es kommt zu Auseinandersetzungen. Die sind in der Regel verbaler Art, manchmal kommt es zu Tätlichkeiten. Das ist jedoch seltener der Fall und läuft meist ohne Waffen ab.

Welche Rolle spielen dabei junge Migranten oder unbegleitete junge Flüchtlinge?

Uwe Heide: Die bilden oft ihre eigene Gruppen, die sich jetzt ihren Platz suchen. Das gilt um so mehr, je kürzer sie im Land sind. Das ist nur natürlich, denn Gruppen bilden sich über Kontakte. Je eingeschränkter die Kontaktmöglichkeiten sind, um so enger ist die Gruppenbindung. Sicher rastet von diesen Jugendlichen mancher gelegentlich schneller aus. Das ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, was sie alles erlebt haben, schon bevor sie nach Deutschland kamen.

Reichen die bisherigen Präventionsmaßnahmen gegen Jugendgewalt aus?

Uwe Heide: Wir müssen das Problem weiter fassen. Die Probleme beginnen in den Familien, wo Kinder und Jugendliche Erfahrungen mit Gewalt machen. Besonders in solchen Familien mangelt es an grundlegenden Werten wie dem Respekt vor anderen. Gerade die modernen Medien, die vorzugsweise von Jugendlichen genutzt werden, vermitteln ein Wirrwarr von Verhaltensmustern. Jugendliche brauchen eine klare, einfach geschnittene Wertewelt. Die bieten beispielsweise, auch wenn man nicht Christ ist, die zehn Gebote.

Wie sehen Sie Ihren Beitrag dazu?

Uwe Heide: Jugendliche müssen sich austoben können. Die einfachste und beste Möglichkeit hierfür ist Sport. Hier können sie sich Erfolgserlebnisse verschaffen und dabei Anerkennung und Freundschaft erfahren. Deshalb unterstütze ich beispielsweise den Wunsch des Vereins „We.Roll.Berlin“ nach einer Skaterhalle für den Winter. Die Jugendlichen brauchen mehr Sportangebote, die ihren Interessen entgegen kommen. Wer Sport treibt, lernt, seine eigenen Kräfte einzuschätzen, Respekt vor anderen zu haben und Regeln einzuhalten.
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