Verordnete sehen "Louisiana-Land" skeptisch

Kinder sollen im Freizeitpark für rund acht Euro den ganzen Tag Karussell fahren können. (Foto: hari)

Marzahn. In der Großsiedlung eröffnet Mitte April ein Freizeitpark. Das Bezirksamt betrachtet das Vorhaben mit einiger Skepsis. Der Betreiber ist der Schwiegersohn von Norbert Witte, dem gescheiterte Spreeparkbetreiber.

Der Freizeitpark entsteht auf einer Brachfläche an der Ecke Otto-Rosenberg-Straße. Auffällig ist ein großes blaues Zirkuszelt. Aufsteller suggerieren eine bunte Fantasiewelt. Weiter hinten sind Fahrgeschäfte zu sehen, die an Kinderzeiten erinnern. Betreiber des neuen Freizeitparks ist die Event Karussell Berlin GmbH (EKG). Geschäftsführer ist Gordon Wollenschläger. Er gehört der bekannten Berliner Schaustellerfamilie Wollenschläger an. Sein Schwiegervater ist Norbert Witte, der gescheiterte Spreeparkbetreiber.

Wollenschläger will in dem Freizeitpark Vergnügen für den kleinen Geldbeutel bieten. Kinder sollen für rund acht Euro den ganzen Tag Karussell fahren können. Ihre Eltern könnten währenddessen in der einem Mississippi-Dampfer ähnelnden Gaststätte einen Kaffee oder ein Bier trinken. Eröffnung soll Mitte April sein.

Unter anderem der familiäre Zusammenhang ließ im Bezirksamt die Alarmglocken schellen. Christian Gräff (CDU), Stadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung, hat im Sommer 2013 dem Liegenschaftsfonds mitgeteilt, dass er die Ansiedlung für "problematisch" halte. Der Liegenschaftsfonds ist Eigentümer des rund 10 000 Quadratmeter großen Geländes.

Gleich daneben befinden sich in Hochhäusern Unterkünfte für Obdachlose und Asylbewerber. Auch nicht weit entfernt liegt am Otto-Rosenberg-Platz das katholische Don-Bosco-Zentrum mit Jugendgästehaus und einem Sozialprojekt. Auf dem Otto-Rosenberg-Platz eröffnete der Bezirk 2010 einen Gedenkort für das Roma-Zwangslager am Parkfriedhof.

Wegen dieser Nachbarschaft fragten Bezirksverordnete auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung im Februar nach, wie die dauerhafte Nutzung der Fläche als "Rummelplatz" mit dem Standort vereinbar sei. Es wurde die Sorge um die soziale Stabilität in Marzahn-Mitte laut. Immerhin bezieht jeder Dritte Bewohner Hartz-IV. Die Antwort von Stadtrat Gräff lautete: "Baurechtlich ließ sich diese Ansiedlung nicht verhindern."


Harald Ritter / hari
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