Zahl der Obdachlosen steigt in Marzahn-Hellersdorf

Die Neustart GmbH richtete in diesem sanierten Plattenbau an der Otto-Rosenberg-Straße 140 neue Übernachtungsplätze für Obdachlose ein. (Foto: hari)

Marzahn-Hellersdorf. Die Zahl der Obdachlosen in der Hauptstadt nimmt zu. Auch im Bezirk wächst der Bedarf an Übernachtungsplätzen. Betreiber der Unterkünfte reagieren, indem sie neue Plätze schaffen.

Die meisten der inzwischen 949 Unterkünfte für Obdachlose im Bezirk gibt es am Rande des Gewerbegebietes um die Bitterfelder Straße. Hier unterhalten nahe des S-Bahnhofes Raoul-Wallenberg-Straße zwei Betreiber die größte Zahl der Übernachtungsplätze. Weitere, wesentlich kleinere Einrichtungen gibt es in Biesdorf, Mahlsdorf, Kaulsdorf und Hellersdorf.

Bisher gab es 809 Übernachtungsmöglichkeiten in Marzahn-Hellersdorf. Die Neustart GmbH erhöhte die Zahl ihrer Plätze im März durch die Inbetriebnahme eines frischen sanierten Plattenbaus von 270 auf 410. Sie wurde dadurch zum größten Betreiber von Obdachlosenunterkünften im Bezirk.

Laut Caritas gibt es in Berlin rund 10 000 Obdachlose, rund 1000 mehr als vor einem Jahr. Es handelt sich meist um Menschen, die von sich aus den Kontakt zu Behörden scheuen und Probleme haben, ihre Rechte geltend zu machen. Ursachen für Obdachlosigkeit sind Langzeitarbeitslosigkeit und Schulden, oft auch eine Trennung vom Partner, verbunden mit Drogenproblemen oder Alkoholismus.

Die Unterbringung von Obdachlosen ist in Deutschland privat organisiert. Unternehmen erhalten für die Unterbringung Pauschalen, die vom Jobcenter oder Sozialamt bezahlt werden. „Außer den Übernachtungsmöglichkeiten bieten wir Hilfe und Unterstützung beim Stellen von Anträgen, bei Behördengängen und beim Finden von Entzugsmöglichkeiten an“, erzählt Sabine Wiesenthal, Geschäftsführerin der Neustart GmbH.

Wie schwer es oft ist, Obdach und Hilfen zu vermitteln, zeigt das Beispiel einer Gruppe von hauptsächlich Polen, die bis Ende März in einem Abbruchhaus zwischen Köpenicker Straße und Bahndamm nahe dem Elsterwerdaer Platz kampierte. Nachdem Zeitungen deren Lebensbedingungen öffentlich gemacht hatten, ließ der Eigentümer das Grundstück räumen. Zuvor suchte Sozialstadträtin Juliane Witt (Die Linke) mit zwei Mitarbeiterinnen das Camp auf und verteilte Informationszettel mit Hilfsadressen. hari
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