Rätselhaftes Verschwinden eines Weges an der Schragenfeldstraße

Karl-Heinz Nave hat das Verschwinden des Fußweges zwischen der Allee der Kosmonauten und der Schragenfeldstraße dokumentiert. (Foto: hari)

Marzahn. Die Großsiedlung Marzahn wurde am Reißbrett entworfen. Kleine Änderungen haben manchmal große Auswirkungen. Das zeigt der Fall eines verschwundenen Weges an der Schragenfeldstraße.

Mitte März war der Weg noch nicht vollkommen verschwunden. Die Reste von Begrenzungssteinen lagen am Rand des von Mulden durchzogenen ehemaligen Weges nahe der Schragenfeldstraße. Frisch gerodetes Gehölz türmte sich chaotisch zu kleinen Haufen auf und Baufahrzeuge brummten den Weg entlang. Trotzdem kämpften sich Fußgänger weiter hindurch.

Der Fußweg war an der Stelle die kürzeste fußläufige Verbindung zwischen den Hochhäusern westlich und östlich der Allee der Kosmonauten. Diese wurden als ein Wohngebiet gebaut. Ungefähr auf Höhe des Weges befindet sich die Straßenbahnhaltestelle Adersleber Weg. Der Weg wurde viel benutzt, unter anderem von Schülern der Grundschule an der Mühle in der Kienbergstraße. Wer künftig von einem Wohngebiet zum anderen möchte, der muss mehrere Hundert Meter weiter laufen, über die Einmündung der Schragenfeldstraße in die Allee der Kosmonauten. Noch weiter wird der Weg, wenn Fußgänger auf Höhe der Kaiser's-Filiale in den nördlichen Teil des Wohngebietes wechseln wollen.

Karl-Heinz Nave hat das Verschwinden des Fußweges während der zurückliegenden Monate beobachtet und dokumentiert. Ursprünglich war dieser genauso angelegt wie die anderen Wege im Wohngebiet. Die meisten sind mit Kies gefüllt und mit einfachen Betonsteinen umgrenzt. Über diesen Weg ließ man mehrfach eine Kehrmaschine fahren, sodass nach einiger Zeit tiefe Mulden entstanden. Bald wirkte er nicht mehr wie ein Weg, sondern mehr wie ein Trampelpfad.

„Genau das ist der Eindruck, der erweckt werden sollte“, erläutert Nave. Der Ingenieur für Straßenbau war vor seiner Berentung bei der Straßenverkehrsbehörde angestellt.

Das Berliner Immobilienmanagement verkaufte das ehemalige Schulgrundstück 2015 mit Zustimmung des Bezirks an einen privaten Investor. Das geht aus dem regen Schriftwechsel hervor, den Nave seit Herbst vergangenen Jahres mit dem Bezirksamt hatte. Bürgermeister Stefan Komoß (SPD), für die Schulen zuständig, verwies auf Christian Gräff (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung, und dieser auf Immobilienstadtrat Stefan Richter (SPD).

„Das Schulamt wurde die Verantwortung für das Grundstück los, das Grünflächenamt für dessen Pflege, das Straßenbauamt ist nicht mehr zur Instandhaltung des Weges verpflichtet und der Finanzstadtrat Komoß kassiert durch den Verkauf des Grundstücks mit“, schlussfolgert Nave aus dem Briefwechsel. Alle hätte etwas davon – nur die Anwohner nicht.

Rätselhaft bleibe nur, wer wann die Entwidmung des einst öffentlichen Weges vornahm. Dass es einstmals ein öffentlicher Weg war, hierfür hat Nave einen Beleg, eine von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung herausgegebene Straßenkarte. Hierauf ging keiner der Stadträte in den Antworten auf seine Schreiben ein. hari
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