Im Schatten des großen Bruders

Die Geschäftsräume an der Passage der Marzahner Promenade sind fast vollständig vermietet. (Foto: hari)
 
Nach einer Reihe von tristen Fassaden vom Bankfilialen folgt an der Marzahner Promenade ein Fleck mit buntem Händlerleben. (Foto: hari)

Marzahn. Was wäre Berlin ohne lebendige Einkaufsstraßen und attraktive Geschäfte? Doch der Wandel im Handel hinterlässt Spuren. Damit der lokale Einzelhandel eine Zukunft hat, engagieren sich zahlreiche Geschäftsleute. Im Rahmen der Aktion „Das geht uns alle an!“ stellt die Berliner Woche ein Beispiel vor.

Gute Geschäfte zu machen an der Marzahner Promenade war noch nie leicht. Das wissen die Einzelhändler. Mit dem Bau großer Einkaufscenter und dem weiter wachsenden Online-Handel ist die Lage nicht leichter geworden. Das 2005 eröffnete Eastgate zum Beispiel zieht viele Kunden an, gibt sie aber kaum an die nördlich anschließende Marzahner Promenade wieder ab, die sich durch Einzelhandelstandorte zum rund 800 Meter entfernten Freizeitforum schlängelt. Der nach wie vor vorhandene Leerstand ist kaum zu übersehen. Er war jedoch schon größer. Allerdings befinden sich in zahlreichen Gewerberäumen soziale Einrichtungen, wie das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte oder die Galerie M.

Das Bezirksamt versucht seit Langem die Promenade als Einzalhandelsstandort zu beleben. 2008 gewann es sogar Fördergelder aus dem Topf des Senatsprogramms „Aktive Zentren“. Damit wurden unter anderem der Platz vor dem Freizeitforum und der Marktplatz in der Mitte der Promenade neu gestaltet.

Die Degewo ist der größte Vermieter an der Promenade, auch bei den Gewerberäumen. Im September 2014 installierte die Degewo ein neues Geschäftsstraßenmanagement. Ziel ist es, die Einzelhändler zu eigenen Aktivitäten zu ermutigen und den Zusammenhalt zu fördern.

„Wir veranstalten einmal im Monat einen Unternehmerstammtisch“, sagt Stadtplaner Holger Scheibig vom Team des Degewo-Geschäftsstraßenmanagements. Im Frühjahr fand zum ersten Mal das Fest „Fit und gesund“ statt. Alljährlich gebe es den „Feurigen Advent“. Man arbeite an einem einheitlichen Erscheinungsbild der Geschäfte, etwa durch angebotene Schirme in Orange oder ein Promenadenlogo, das an Fahrradständer angebracht werden kann. Auch ein Einkaufsführer sei fast fertig.

Es herrsche Vollvermietung, sagt Scheibig. Das Problem sei lediglich die hohe Fluktuation bei den Gewerbetreibenden. Diese liege bei jährlich zwischen fünf und zehn Prozent. Das sei eine große Herausforderung, wenn man den Zusammenhalt und gemeinsame Aktivitäten fördern wolle. Die Wahrnehmung des Stadtplaners passt nicht zum Augenschein vor Ort. Seit Monaten stehen die ehemaligen Räume des Tierfuttergeschäfts nahe dem Eingang zur überdachten Passage leer. Und auf eine Anfrage der Berliner Woche zum tatsächlichen Vermietungsstand antwortete die Degewo nicht.


Befragte Händler äußern vielmehr Kritik am Geschäftsstraßenmanagement und stellen die Erfolge in Abrede. „Der Service ist schlecht“, erklärt Alexander Schreitel. Er betreibt zusammen mit seiner Frau seit zehn Jahren ein Jalousie-Geschäft an der Promenade. Er könnte mit seinem Laden an einen anderen Standort umziehen. Das will er aber nicht, weil er in der Nähe wohnt und der Kiez ihm gefällt. Laufkundschaft aus der Promenade bedient er gern, ist aber nicht auf diese angewiesen. „Bei uns läuft inzwischen vieles über das Internet“, erläutert er. hari
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