Die Hand am Gas und den Rolli im Fond

Ein Roboterarm reicht dem Fahrer dieses Mercedes den Rollstuhl an. Der behindertengerechte Umbau stammt vom Spezialisten Kadamo. (Foto: Kadomo/Daimler/dpa/mag)

"Ich bin ein Tetra"», sagt Thomas Krämer. Tetra steht für Tetraplegie. Es ist eine Form der Querschnittslähmung, die alle vier Gliedmaßen betrifft. Betroffene wie Krämer können eigentlich selbst kein Auto steuern - zumindest kein herkömmliches. Trotzdem machte er 1998 den Führerschein und hat einen eigenen Wagen.

Damit Krämer seinen VW T5 fahren kann, war ein umfangreicher Umbau erforderlich. "Arme und Hände kann ich eingeschränkt nutzen, ich kann aber beispielsweise beim Lenken nicht so viel Kraft aufbringen", sagt Krämer. Daher mussten in seinen Kleinbus neben einer Hebebühne für den Rollstuhl auch ein Handgas- und Handbremssystem, eine zusätzliche Lenkunterstützung sowie ein Fahrersitz auf Schienen eingebaut werden, der den Rollstuhl im Fond erreichbar macht.Fast 60 000 Euro hat der Umbau des T5 gekostet. Die Arbeiten hat das Unternehmen Kadomo übernommen - eine der rund 60 Firmen in Deutschland, die auf individuelle Ausstattung behindertengerechter Fahrzeuge spezialisiert sind. Menschen, die etwa ein Bein verloren haben, können dort das Gaspedal von rechts nach links verlegen lassen. Grundsätzlich sei so gut wie alles machbar. "Die meisten Umbauten betreffen aber das Gaspedal, die Handschaltung oder einen Drehsitz", sagt Udo Späker von Kadomo.

Gemäß der Kraftfahrzeug-Hilfeverordnung (Kfz-HV) hat ein Berufstätiger mit Handicap ein Recht auf Mobilität. Um Zuschüsse für den Umbau oder Neukauf eines Fahrzeugs zu erhalten, muss ein sozialabgabenpflichtiges Arbeitsverhältnis bestehen. Wer weniger als 15 Berufsjahre hinter sich hat, wendet sich an die Arbeitsagentur. Oberhalb dieser Grenze ist die Rentenversicherung der richtige Ansprechpartner. Unabhängig von einem Arbeitsverhältnis kann die Kfz-Steuerbefreiung je nach Art der Behinderung bis zu 100 Prozent genutzt werden.

Die Höhe der Zuzahlung hänge vom Einkommen ab, sagt Achim Walter Neunzling vom Bund behinderter Auto-Besitzer (BbAB). Wenn allerdings die Wohnung nur rund sieben Kilometer oder weniger vom Arbeitsplatz entfernt ist, gilt ein Fahrdienst als günstiger. "Viele Betroffene sind mit den bürokratischen Anforderungen überfordert." Ratsuchenden hilft der BbAB weiter.

Das Angebot an Mobilitätslösungen für Behinderte ist laut Neunzling insgesamt deutlich besser geworden. Nahezu alle größeren Autobauer bieten inzwischen Handicap-Fahrzeuge ab Werk an. Während solche Sonderfahrzeuge oft erst nach bis zu sechs Wochen Lieferzeit beim Kunden ankommen, sind Umrüster mit ihren Umbauten in der Regel deutlich schneller.


dpa-Magazin / mag
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