Entspannt auf Achse: Pkw für Senioren müssen keine Rentner-Autos sein

Der richtige Wagen, ein paar elektronische Helferlein und die optimale Sitzeinstellung können das Autofahren im Alter enorm erleichtern. (Foto: Silvia Marks)

Viele Dinge fallen einem etwas schwerer, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Der Schulterblick beim Autofahren etwa, oder das Ein- und Aussteigen. Bestimmte Eigenschaften eines Autos können Senioren das Leben deshalb deutlich vereinfachen.

Eine hohe Sitzposition zum Beispiel, weit öffnende Türen, gute Rundumsicht und ein paar elektronische Helferlein beispielsweise. Wie ein "Rentner-Auto" aussehen muss der fahrbare Untersatz deshalb aber nicht.

"Für viele ältere Menschen ist ein SUV die Lösung", sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte an der Universität Duisburg-Essen. Die sportlichen Geländewagen wirkten, anders als viele Vans, alles andere als altbacken, hätten aber in der Regel eine seniorengerechte Ergonomie.

Vor zwei Jahrzehnten noch war der durchschnittliche Neuwagenkäufer laut Dudenhöffer Mitte 40 - inzwischen sei er 52 Jahre alt. Und der SUV-Markt brummt. Bei Autokäufern steige auch die Nachfrage nach Fahrerassistenzsystemen, die nicht nur Aufpasser und Unfallverhüter sind, sondern auch körperliche Defizite im Alter kompensieren können: Sensoren und Kameras am Wagen erleichtern zum Beispiel das Einparken, Stauassistenten entlasten im Stop-and-go-Verkehr die Beine. Sinnvolle Fahrerassistenten können auch jene zur Spurhaltung, Vermeidung von Auffahrunfällen oder auch Totwinkelwarner in den Außenspiegeln sein, zählt Frank Leyhausen von der Deutschen Seniorenliga auf.

"Wichtig ist, dass die Assistenzsysteme vom Fahrer als solche empfunden werden - und nicht als Überforderungssysteme", betont Leyhausen. "Wenn man mit der Technik nicht richtig klarkommt, frustriert das nur." Beispiel Einparkhilfe: Eine Automatik, die den Wagen wie von Geisterhand in die Parklücke bugsiert, könne sehr komfortabel sein - "anderen ist sie unheimlich", sagt er.

Am besten lernt man den Wagen bei einer ausgiebigen Probefahrt kennen, empfiehlt Leyhausen. "Lassen Sie sich dabei vom Verkäufer sämtliche Funktionen des Fahrzeugs erklären, nicht nur, wie man das Abblendlicht und die Nebelschlussleuchte ein- und ausschaltet", rät er. Ob tatsächlich das SUV die seniorenfreundlichste Fahrzeuggattung ist, darauf will sich Leyhausen nicht festlegen: "Es gibt Alternativen, das ist letztlich Geschmackssache."

Johannes Hübner vom Automobilclub von Deutschland (AvD) empfiehlt: "Wenn die Sitzhöhe 60 Zentimeter über der Fahrbahn liegt, ist das optimal für unangestrengtes Ein- und Aussteigen. Die Einstiegshöhe sollte mindestens 120 Zentimeter betragen." Die vordere Karosseriesäule (A-Säule) sollte möglichst steil stehen, die Türen sollten sich weit öffnen lassen - "am besten fast im 90-Grad-Winkel". Und je dünner die hintere Karosseriesäule (C-Säule) ist, desto übersichtlicher sei in der Regel ein Auto. Instrumente und Armaturen im Cockpit sollten übersichtlich sein.

Ein weiterer Tipp: "Kaufen Sie keine Dreitürer, denn bei denen sind die Sicherheitsgurte für die Vordersitze meist viel weiter hinten montiert als bei einem Fünftürer", sagt Hübner.

Der Fahrersitz sollte über eine Lordosenstütze verfügen und möglichst viele Einstellmöglichkeiten bieten, sagt Frank Leyhausen. "Ob elektrisch oder manuell, das ist allein eine Frage des persönlichen Budgets." Um den Rücken zu schonen und den Wagen sicher im Griff zu haben, empfiehlt Leyhausen eine "eher aufrechte Sitzposition". Der Abstand zwischen Lenkrad und Oberkörper sollte etwa 30 Zentimeter betragen und die Kopfstütze auf die maximale Höhe gebracht werden.


dpa-Magazin / mag
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