Neue Technik bekämpft Langeweile im Auto

Ein kleines Spielchen an der Ampel ist erlaubt: Dieses BMW-Forschungsprojekt blendet bei kurzen Pausen das Spiel "Pacman" ein. (Foto: BMW/dpa/mag)

Gegen Gequengel auf der Rückbank halfen bisher nur die Lieblings-CD, ein Ratespiel oder eine Pause. Viele Hersteller arbeiten zurzeit aber an Hightech-Alternativen, die Langeweile bei ausgedehnten Fahrten effektiv bekämpfen sollen.

Ein Beispiel dafür ist "Windows of Opportunity", ein gemeinsames Projekt von General Motors und Studenten der israelischen Kunst- und Designakademie Bezalel. Ihre Idee: Die Seitenscheiben im Fond sollen zu Touchscreens werden und für Unterhaltung sorgen. "Windows of Opportunity" ist nach Angaben von Projektleiter Tom Seder nur ein Forschungsprojekt, die Serienchancen stehen in den Sternen. Serienreif dagegen sind bereits mobile Hotspots, wie sie etwa Audi oder BMW anbieten. Sie stellen über das Mobiltelefon und die Antennentechnik des Autos eine WLAN-Internetverbindung her. Daran angeschlossen werden könnten bis zu acht Endgeräte, erläutert Audi-Sprecher Josef Schloßmacher.Manche Entwickler denken auch an den Beifahrer und integrieren einen sogenannten Dual-View-Monitor in der Mittelkonsole. Darauf sind aus unterschiedlichen Perspektiven zwei unterschiedliche Bilder zu sehen. Während das Display für den Fahrer zum Beispiel die Navigationskarte anzeigt, kann der Beifahrer auf dem gleichen Bildschirm eine DVD anschauen. Audi-Entwickler Werner Hamberger ist das noch nicht genug. Er arbeitet an einem zweiten Head-up-Display, das explizit auf den Beifahrer zugeschnitten ist. Der Sozius könnte die Frontscheibe damit als eine Art Bildschirm für das Surfen im Internet oder als Leinwand für das Bordkino nutzen.

Kunden dürfen mitreden

Entwicklungen wie diese würden den Autofahrern künftig noch häufiger begegnen, ist Jan Burgard überzeugt. Er ist Partner bei der Münchener Strategieberatung Berylls Strategy Advisors und sieht eine wachsende Bedeutung für das Entertainment im Auto: "Allerdings müssen sich die Automobilhersteller etwas einfallen lassen um mit der Elektronikindustrie mitzuhalten."

Weil der Entscheider über den Kauf am Ende meist doch hinter dem Lenkrad sitzt, sparen die Entwickler den Fahrer beim Ausbau des Unterhaltungsprogramms nicht aus. Dies illustriert etwa das BMW-Forschungsprojekt "Micro Pause App", das die Rotphasen der Ampeln für kurzweilige Zerstreuung nutzt. Sobald der Wagen steht, verschwindet dabei automatisch die Tachoanzeige und macht Platz für E-Mails oder Facebook-Kontakte. Sogar "Pacman" könne man mithilfe der Lenkradtasten im Cockpit spielen, sagt Projektleiter Marc Bechler.


dpa-Magazin / mag
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