Notlaufreifen werden praxistauglich

Nägel als Todesurteil? Notlaufreifen verlieren selbst dann nicht ihre Form, wenn sie durchlöchert sind und ihnen die Luft ausgeht. (Foto: Goodyear)

Bisher waren Notlaufreifen kaum mehr als eine gute Idee: Zwar konnte man damit nach einer Reifenpanne bereits problemlos bis zur nächsten Werkstatt rollen. Doch hatte die Technik im Alltag ihre Tücken.

"Die frühen Runflat-Reifen waren viel härter und federten schlechter", erinnert sich Thomas Kroher, Reifen-Spezialist beim ADAC. Der Grund dafür waren die verstärkten Flanken, die das Gummi auch ohne Luft in Form halten. Das daraus resultierende Komfortproblem scheinen die Reifenentwickler jedoch mittlerweile in den Griff bekommen zu haben: Ein Test des österreichischen ADAC-Partnerclubs ÖAMTC zeigt, dass Notlaufreifen im Alltagseinsatz ohne Panne bei Komfort und Rollwiderstand heute ähnlich gute Leistungen bringen wie die gleichen Reifen ohne Pannenschutz.BMW zählt neben Mercedes und Audi zu den wenigen Autoherstellern, die Runflat-Reifen ab Werk für ihre Fahrzeuge anbieten. Für andere Autobauer waren sie allein schon aus Kostengründen nie ein Thema, sagt Stefanie Senft vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Denn Notlaufreifen sind teurer als herkömmliche Pneus.

In Goldgräberstimmung hätten Reifenhersteller, die Notlauf-Pneus anbieten konnten, anfangs Preisaufschläge von bis zu 30 Prozent verlangt, berichtet ein Branchen-Insider - nur zehn bis 15 Prozent seien technisch gerechtfertigt. "Vor den Mehrkosten schreckten viele Fahrzeughersteller zurück", sagt Senft. Zumal sich ein Reserverad im Auto viel kostengünstiger durch ein Pannen-Set mit Dichtmittelspray und Mini-Kompressor ersetzten lässt. "Allerdings hilft Autofahrern so ein Set, mit dem heute der Großteil aller Pkw ausgerüstet ist, bei neun von zehn Reifenpannen nicht weiter", gibt Kroher zu bedenken.

Nach Ansicht von Kroher sind "salonfähige Runflat-Reifen im Moment der beste Ersatz fürs Ersatzrad". Bei einer Reifenpanne während der Fahrt gerieten Autos damit selbst bei hoher Geschwindigkeit nicht ins Schleudern. Er hofft, dass Runflat-Reifen bald aus der Nische rollen und sich zugunsten der Verkehrssicherheit ein ernstzunehmender Markt dafür entwickelt. Die technischen Voraussetzungen dafür sind geschaffen, sagt Hans-Rudolf Hein, Runflat-Experte bei Bridgestone: "In den vergangenen zehn Jahren hat die Entwicklung der Notlaufreifen rasant Fortschritte gemacht, sie konnten mit gewöhnlichen Stahlgürtelreifen gleichziehen."

"Trotz aller Verbesserungen hängt der Durchbruch von Runflat-Reifen aber stark von den Autobauern als Erstausrüster ab, weniger vom Ersatzmarkt", glaubt Kroher. Man könne nicht jedes x-beliebige Auto damit ausrüsten: "Durch die steiferen Reifenflanken wirken beim Fahren besondere Kräfte auf die Radaufhängung, die deshalb verstärkt sein muss. Außerdem brauchen Autos für die Ausstattung mit Runflats eine Reifendruckkontrolle, damit der Fahrer sofort mitbekommt, wenn er einen Platten hat."

Wer seinen Wagen mit Runflats sicherer machen will, dem empfiehlt Hans-Jürgen Drechsler vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV): "Fragen Sie beim Autohändler nach, ob für ihr Fahrzeug optional Runflat-Reifen angeboten werden." Ist das der Fall, sei die Nachrüstung bedenkenlos möglich. Ein Reifendruckkontrollsystem könne an jedem Wagen nachgerüstet werden.

"Die Montage von Notlaufreifen dürfen nur zertifizierte Betriebe übernehmen, sie haben das Spezialequipment und das Know-how", betont Drechsler. Für Werkstätten mit dem Zertifikat des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie (wdk) bietet die BRV-Homepage eine Suchfunktion.

Werkstätten mit wdk-Zertifikat in einer Datenbank finden unter http://asurl.de/cdm.

dpa-Magazin / mag
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