Rundum-Grün an der Ampelkreuzung

Diagonal-Grün macht die Kreuzung frei für Fußgänger. Solche Ampelschaltungen sind in Deutschland aber selten. (Foto: Grafik: dpa-infografik/Fred Bökelmann)

Alle Fußgänger gehen, alle Autos warten - zumindest für rund zehn Sekunden. Solche Ampelanlagen, an denen die Rot- und Grünphasen für Fußgänger und motorisierte Verkehrsteilnehmer getrennt voneinander geschaltet sind, nennen die Fachleute Rundum-Grün.

Wenn die Fußgänger auch diagonal queren dürfen, spricht man vom Diagonal-Grün. In Deutschland sind solche Kreuzungen selten, in den USA oder Japan gibt es sie häufiger. "Eine derartige Fußgängerphase mit Alles-Rot für den Kraftfahrzeugverkehr vermeidet die mögliche Gefährdung der Fußgänger durch abbiegende Fahrzeuge", sagt Richard Schild, Sprecher des Bundesverkehrsministeriums in Berlin. Abbiegeunfälle zwischen Kraftfahrern und Fußgängern kommen schlicht nicht mehr vor, hat auch eine Untersuchung der Unfallforscher der Versicherer (UDV) ergeben.Auch nach Ansicht des ADAC können solche Ampeln Unfallherde entschärfen. Der weiteren Umsetzung stehe aber etwas im Weg, sagt UDV-Sprecher Klaus Brandenstein: "Die sicherste Variante ist die zeitaufwendigste." Autofahrer und Fußgänger lebten zwar erst einmal sicherer, müssten aber auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Das schreckt viele Kommunen offenbar ab.

Die Richtlinie für Lichtsignalanlagen (Rilsa) sieht das Rundum-Grün auch nur speziell für Knotenpunkte mit starkem Fußgänger- und vergleichsweise geringem Kraftfahrzeugverkehr vor. Ansonsten seien Staus zu erwarten. Eine verstärkte Beeinträchtigung für Autofahrer haben die Berliner Verkehrsstrategen an der belebten Kreuzung Friedrichstraße/Kochstraße, wo das Diagonal-Grün zum Beispiel umgesetzt wurde, zwar nicht beobachtet. Doch reißt den Fußgängern hier öfters der Geduldsfaden: Es dauert länger, bis alle einmal dran waren, weil für Autofahrer und Fußgänger insgesamt drei anstelle von normalerweise zwei Grünphasen geschaltet sind.

So müssen dort Fußgänger über eine Minute warten, bis sie weiter dürfen. "Wenn ihnen das zu lange dauert, laufen sie einfach bei Rot drüber", klagt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das Risiko von Unfällen mit links abbiegenden Autofahrern steige. Und die Gefahr für geradeaus fahrende Fahrradfahrer, von unaufmerksamen Rechtsabbiegern über den Haufen gefahren zu werden, sei ebenfalls nicht gebannt.

Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) sagt: "Es hängt vom Einzelfall ab, ob eine Kreuzung durch Rundum-Grün sicherer wird." An der Kreuzberger Kreuzung von Friedrich- und Kochstraße darf die Ampelschaltung als Erfolg gewertet werden, obwohl dort auch viele Autofahrer unterwegs sind: Denn dort soll es erhalten bleiben.


dpa-Magazin / mag
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