Umweltfreundliche Reifenproduktion

Demnächst überflüssig? Mit ihren neuen Ökoreifen setzen die Hersteller auf Recycling statt Entsorgung. (Foto: Armin Weigel)

Die Produktion von Autoreifen ist alles andere als umweltfreundlich. Schließlich werden dafür große Mengen an Rohöl und Naturkautschuk benötigt. Kein Wunder, dass die Hersteller schon längst daran arbeiten, möglichst viel recycelte oder gar nachwachsende Rohstoffe zu verwenden.

Hersteller Continental ersetzt nach eigener Aussage schon heute fossile Öle durch Rapsöle. Noch könnten allerdings nicht alle Reifenkomponenten durch nachwachsende Materialien ersetzt werden, sagt Boris Mergell, der die Material- und Prozesstechnik in der Reifensparte bei Continental leitet. Denn die Stoffe verschlechtern mitunter die Fahreigenschaften des Pneus.Der US-Hersteller Goodyear Dunlop arbeitet wie die deutsche Konkurrenz an dem Öko-Thema und hat herausgefunden, dass sich im Produktionsprozess Erdöl durch Sojabohnenöl ersetzen lässt. Obendrein steigere das Pflanzenöl die Laufleistung der Reifen um zehn Prozent.

Doch auch für Naturkautschuk aus dem Hevea-Baum - im Volksmund schlicht Gummibaum genannt - suchen die Reifenhersteller eine Alternative. Knappe Ressourcen und steigende Preise legen auch hier ein Umdenken nahe. Gemeinsam mit Experten des Landwirtschaftlichen Forschungs- und Entwicklungszentrums der Universität Ohio in Akron haben die Reifenhersteller Bridgestone und Cooper Tires den russischen Löwenzahn (botanisch: Taraxacum kok-saghyz oder kurz TKS) ins Visier genommen.

Unter den rund 1200 Pflanzenarten, aus denen Naturkautschuk gewonnen werden könnte, eigne sich TKS am besten. Der Löwenzahn verspreche eine Vereinfachung der Logistik, hohe Qualität sowie hohe Verfügbarkeit, so die Forscher.

Bridgestone hatte bereits auf dem Pariser Autosalon im September 2012 sowie auf dem Genfer Salon 2013 einen Konzeptreifen vorgestellt, der zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt ist. Als Ersatz für den Hevea-Naturkautschuk kommt Kautschuk aus der Goldrute zum Einsatz, eine in Nordamerika beheimatete Korbblütler-Pflanze.

Mit Argwohn sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Tendenz zu nachwachsenden Rohstoffen bei der Reifenherstellung: "Das zieht Umweltprobleme nach sich", ist Pressesprecher Rüdiger Rosenthal überzeugt. Er befürchtet durch den Anbau der Rohstoffe noch größere Flächen für Monokulturen an Raps oder Löwenzahn. Bis die ersten "grünen" Reifen als Serienprodukte über unsere Straßen rollen, wird aber ohnehin noch etwas Zeit vergehen - nach Einschätzung von Continental wohl über fünf Jahre.


dpa-Magazin / mag
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