Antiquitäten kaufen wie ein Profi

Alte Möbel sind begehrt - aber nur die wirklichen Schätze lohnen sich. (Foto: Mascha Brichta)

Diesen Trick durchschauen Laien nicht: Fälscher zerlegen einen wuchtigen Eckschrank aus der Zeit der englischen Queen Victoria (1819-1901) und bauen aus dem Material drei handliche Möbel. Zwar sind diese aus altem Holz, aber es sind eben keine echten Antiquitäten.

Von einer solchen Fälschung berichtet der Restaurator Manfred Sturm-Larondelle aus Berlin. Das Beispiel zeigt: Wer antike Möbel kaufen will, sollte lieber dreimal hinschauen und im Zweifel einen Experten engagieren, um sicherzustellen, dass es sich auch um etwas echtes Altes handelt.

Antiquitäten als Kapitalanlage zu erwerben, sei sehr risikoreich, sagt Hermann Specht vom Bundesverband des Deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels in Drestedt (Niedersachsen). Und das hat nicht nur etwas mit Fälschern zu tun. Aktuell gibt es eine große Generation der Erben, die das nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaute Vermögen der Eltern erhalten. Diese stellen nach Spechts Beobachtung meist nur ein, zwei alte Stücke in ihre sonst geradlinig und modern ausgestatteten Wohnungen. Alles andere verkaufen sie - und durch zahlreiche Haushaltsauflösungen sei der Markt für antike Möbel übersättigt.

Der Marktwert von manch schönem Sammlerstück sei geradezu spektakulär gefallen, erläutert Specht. Schwer verkäuflich seien große und wuchtige Möbel, denn viele Wohnungen seien zu klein für solche Stücke. Auch für Barock-Möbel gebe es wenige Interessenten.

Was bei Möbeln als Antiquität gilt, ist nicht genau definiert. "Juristisch betrachtet gehören alle Möbel dazu, die mehr als 100 Jahre alt sind", erklärt Specht. Wertvoll und erhaltenswert seien Möbel aber nicht allein wegen ihres Alters. Nur Exemplare, die besonders schön und selten sind, eigneten sich als Sammlerstücke. Wichtig ist außerdem: Alte Möbel dürfen nur als Original bezeichnet werden, wenn maximal 30 Prozent des Möbels erneuert worden sind.

Um beim Kauf auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt Specht Verbrauchern, sich auf renommierten Fachmessen für Kunst und Antiquitäten umzusehen. Dort überprüfe der Veranstalter die Verkäufer. Auch der Restaurator Sturm-Larondelle rät von Spontankäufen kategorisch ab - selbst wenn sich ein Interessent noch so sehr in ein altes Möbel verguckt hat, es ein unverhofftes Schnäppchen ist oder es mehrere Kaufinteressenten gibt. Er rät, einen Fachmann hinzuzuziehen. Dieser könne manchmal schon anhand eines Fotos den Zustand, das tatsächliche Alter und den Wert des Möbels einschätzen.


dpa-Magazin / mag
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