Beistelltische erobern das Wohnzimmer

Der Beistelltisch "Daran" von Michael Hilgers wird unter das Sofa geklemmt. Durch die Kerbe in der Platte kann man ein Kabel führen. (Foto: Rephorm/Michael Hilgers)

Die digitale Moderne pflegt einen schlichten Stil. Doch ganz ohne Schnickschnack kann der Mensch dann doch nicht. In der Möbelbranche stehen deshalb zunehmend die Nebenbeis im Fokus.

"Wir wollen keine leblosen Gebrauchsgegenstände, sondern Produkte, die lebendig sind und eine eigene Sprache sprechen", sagt etwa Oliver Schick, Designer aus Offenbach. "Auch ein nicht so prominentes Möbel wie ein Beistelltisch kann so zu einem Wohnjuwel werden."

Oliver Schick hat für den Hersteller Pulpo zwei neue Beistell- oder Couchtische entworfen. Die Tischplatten von "Jaques" und "Joseph" bestehen aus einer pulverbeschichteten MDF-Platte, die tragende Unterkonstruktion ist aus Stahl gefertigt. Ungewöhnlich hat Schick die zweite Ablage-Ebene gestaltet: Statt eine weitere Platte einzuziehen, verwendet der Designer eine Schale aus mundgeblasenem Glas. Die Form der Tische erinnert so an einen Heißluftballon - deshalb sind die Möbel benannt nach den Gebrüdern Joseph Michel und Jacques Étienne Montgolfier. Sie starteten den ersten Heißluftballon.

"Das Wohnen ist heute immer kollagenhafter", erklärt Supergrau-Gründer Bjoern Berger. "Vintage-Möbel stehen oft direkt neben zeitgenössischem Design. Wir wollten diese Vielschichtigkeit bei den Tischen umsetzen." Die Beistelltische ersetzen immer mehr den einzelnen Couchtisch. Man kann sie einzeln verwenden sowie zwei oder mehrere Tische als Gruppe zusammenstellen. "Den festen Tisch wollten wir auflösen und Möglichkeiten bieten, unterschiedliche Arrangements zu gestalten", sagt Berger. Denn die Beistelltische müssen mit dem vor allem in Stadtwohnungen mangelndem Platzangebot zurechtkommen. Flexibilität ist eines der zentralen Themen beim Wohnen geworden - und die Tische haben daher nicht mehr einen festen Standort am Sofa. Die Produkte können auch daneben sowie im Flur, im Badezimmer oder am Bett stehen.

Ein Spezialist für platzsparende, flexible Möbellösungen ist der Berliner Designer Michael Hilgers. Auch er hat aktuell eine interessante Tisch-Lösung im Programm. Das Modell heißt "Daran", weil es nur in Verbindung mit einem anderen Möbel funktioniert. Der Nutzer klemmt den einzigen Fuß des Tisches einfach unters Sofa oder den Bettposten, was dem Beistelltisch Halt gibt.

Gerade die Dauerpräsenz der digitalen Geräte im Alltag verlangt nach neuen Lösungen. Deshalb hat der "Daran" in der Tischplatte eine Kerbe, durch die der Nutzer das Kabel eines Smartphones oder einer Leseleuchte führen kann.


dpa-Magazin / mag
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