Dänische Möbel sind unaufdringlich elegant

Ein bis heute gefragter Klassiker dänischer Designkunst: Der Stuhl "Serie 7" von Arne Jacobsen für den Hersteller Fritz Hansen. (Foto: Fritz Hansen)

Ihre leichten, funktionellen Möbel aus Holz haben dänische Designer so berühmt gemacht.

Vor allem die Stühle: "Das Material ist geformt nach deinem Körper", erklärt Nille Juul-Sørensen, Leiter des Danish Design Center in Kopenhagen. Es sei angenehm zum Sitzen, aber auch schön anzuschauen. Ein schwerer Chesterfield-Stuhl aus Leder nehme den ganzen Raum ein. "Ein moderner dänischer Stuhl ergänzt den Raum."Hinter vielen Entwürfen steckt eine nette Anekdote der Design-Geschichte: Während anderswo teure Klassiker heute als Billigmöbel erhältlich sind, waren in Dänemark die Möbel einst Ramschware. Nach dem Krieg sollte jeder Däne ohne viel Geld sich gutes Design leisten können, lautete die Idee des Sozialstaates, erzählt der Architekt und Designer Sigurd Larsen aus Berlin.

Damals hätten viele Möbelarchitekten kostenlos für große Supermarktketten Stücke entworfen. Die Idee: Massenproduktion und billiger Verkauf. "Erst viel später wurden die Möbel zu Design-Ikonen." Und dementsprechend teuer: "Ich habe Stühle aus meiner Kindheit, die damals fast nichts gekostet haben. Für die brauchst du heute ein dickes Bankkonto", erzählt Juul-Sørensen.

"Dänisches Design erlebt seit vier, fünf Jahren ein weltweites Revival", sagt Nicolette Naumann, die sich für die Messe Frankfurt um die Konsumgüterausstellung Ambiente kümmert. "Viele Designklassiker aus den frühen Jahren sind wieder da." Dazu gehöre etwa der Stuhl "Serie 7" von Arne Jacobsen mit seiner geschwungenen Holzlehne.

Der Stil passt zu dem Land im Norden Europas: In dem eher kalten Klima spielen die Entwürfe mit Licht und Wärme. "Ein skandinavisches Haus hat ein ganz anderes Gefühl von Kunstlicht und Tageslicht als zum Beispiel spanische Architektur", sagt Larsen.

Und Juul-Sørensen ergänzt: "Wir erschaffen Räume um das Licht herum." Licht definiere einen Raum im Raum. "Es geht nicht darum, einen Raum ganz auszuleuchten, dieses Repräsentative. Es geht mehr um Lichtbereiche, um Stimmungslicht", sagt Naumann. Als Beispiel nennt sie eine schöne Leselampe, die sich gut ausrichten lässt. Und Licht hat einen Wohlfühleffekt: "Man versucht, es gemütlich zu machen durch Belichtung", erklärt Larsen.

Der dänische Stil passe zu einer Kultur, die immer versucht, ein bisschen zurückhaltend zu sein, sagt der Designer weiter. "Nie denken, dass man besser als andere ist, eher zurückhaltend und schlicht." Nille Juul-Sørensen nennt es "demokratisch und offen". Und er warnt davor, Wohnräume zu perfekt einrichten zu wollen. "Dann fehlt die Seele, der Witz." In einem dänischen Haus gebe es immer unperfekte Ecken. "Du siehst sie nicht direkt, aber du fühlst sie."


dpa-Magazin / mag
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