Den Grundriss für alle Individualitäten planen

Wie viele Zimmer braucht man, wie groß soll die Wohnfläche sein und wo werden Anschlüsse benötigt? (Foto: Franziska Koark)

Wie sie in entfernter Zukunft wohnen wollen, müssen Bauherren schon grob wissen, wenn sie ihr künftiges Eigenheim planen. Dabei geht es nicht nur um die notwendige Zimmeranzahl für möglichen Nachwuchs, sondern auch um Vorlieben und Gewohnheiten.

"Der Großteil der Wohnhäuser wird von Bauherren im Alter um 35 Jahre gebaut", sagt Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz in Mainz. "Bereits einige Jahre später können sich die Lebensumstände, Wohnwünsche oder auch Komfortansprüche grundlegend verändert haben." Wer viele Räume in etwa gleich groß plant und auf tragende Innenwände verzichtet, kann die Aufteilung leichter wieder ändern. So kann aus dem Kinderzimmer ein Hobbyraum werden, erläutert die Architektenkammer Rheinland-Pfalz in ihrem Handbuch "Was Bauherren wissen müssen".Wer sich schon beim Hausbau Gedanken über Barrierefreiheit macht, kann später teure Umbauten vermeiden. Türöffnungen sollten so geplant werden, dass sie sich noch verbreitern lassen, und die Treppe so großzügig sein, dass sich ein Lift einbauen lässt. Weitere Maßnahmen sind schwellenfreie Raumübergänge und Bäder mit ebenerdigen Duschen.

Zur Orientierung empfiehlt Alexander Scholz, freier Architekt aus Bliesdorf (Brandenburg), etwa16 Quadratmeter für Schlaf- oder Kinderzimmer, etwa 50 Quadratmeter für Küche und Wohnzimmer zusammen. Planen Hausbauer bei Türen einen Mindestabstand von 60 Zentimetern zur Wand ein, passt hinter die geöffnete Tür noch ein Schrank. Für ein Regal oder die Garderobe reichen 40 Zentimeter.

Ist ein offener oder ein geschlossener Grundriss besser? Eine offene Wohnküche wirke großzügig und hell, erläutert Scholz. Dafür mangele es an Rückzugsmöglichkeiten. Beim geschlossenen Grundriss sind die Zimmer kleiner, aber man kann die Tür auch mal hinter sich zumachen. Wen Dünste vom Kochen und herumstehendes Geschirr stören, der sollte Küche und Wohnzimmer lieber trennen.

Auf Details achten

Bei der Raumplanung kommt es auch auf Details an: "Steckdosen sind immer an der falschen Stelle", sagt Alexander Scholz. Also: Ausreichend einplanen und auch an Vierer- oder Fünfer-Leisten denken. Über Daten- oder Lautsprecherkabel sollte man sich ebenfalls rechtzeitig Gedanken machen, damit sie später nicht quer durch die Wohnung verlegt werden müssen.

120 bis 180 Quadratmeter sind bei einem Haus für eine vierköpfige Familie eine gute Größe. Aber manche müssen mit 100 Quadratmetern auskommen. Alexander Krippstädt vom Bund Deutscher Innenarchitekten Mitteldeutschland in Dresden rät, dann zum Beispiel die Arbeitsecke einfach im Wohn- oder Schlafzimmer einzurichten. "Eine beliebte Lösung ist es, eine Wand aus einem angrenzenden Zimmer noch etwa 60, 70 Zentimeter weiter in den Raum hineinzuführen", erklärt Krippstädt. "So entsteht eine Nische mit genug Platz für die Arbeitsplatte."

Unten wohnen und oben schlafen - das ist immer noch der Klassiker. Für die Lage der Räume gilt ein einfaches Prinzip: Nach Norden oder zur Straßenseite hin liegen idealerweise Funktionsräume für Hauswirtschaft, Garderobe und Technik sowie die Speisekammer, erläutert Krippstädt. Nach Osten ist die Küche ausgerichtet und nach Westen das Wohnzimmer, wo die Familie den Tag gemeinsam ausklingen lässt.

Das Handbuch "Was Bauherren wissen müssen" der Architektenkammer Rheinland-Pfalz kann kostenlos unter http://asurl.de/9sp heruntergeladen werden.

dpa-Magazin / mag
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