Designer recyceln Materialien

"Die Seilschaft" heißt das Liege- und Sitzmöbel aus ausrangierten Kletterseilen und Entwässerungsrohren von Designerin Angelika Heß. (Foto: RecyclingDesignpreis)

Designer suchen ständig nach neuen Inspirationsquellen für ihre Möbel. Einige scheinen sie im Müll zu finden. Denn einer der neuesten Trends der Einrichtungsbranche ist das Recyceln von gebrauchten Materialien für Sofas, Stühle und Tische.

"Besonders in Krisenzeiten besinnen sich die Menschen auf authentische Dinge, die einen sozialen Bezug haben", erklärt Prof. Peter Wippermann vom Trendbüro in Hamburg. Sie setzen einen Gegenpunkt zur industriellen Massenfertigung. Das Recycling von Materialien trifft aber noch auf einen zweiten großen Trend - den Drang zum Selbermachen. "Vor allem junge Leute wollen die Sache selbst in die Hand nehmen, sich nicht nur auf die Industrie verlassen", erläutert Wippermann. "Sie lösen Dinge aus einem Kontext heraus, der nicht mehr funktioniert, und geben ihnen eine neue Aufgabe."So macht der Designer Oliver Schübbe aus Herford aus Sperrholz das Regalsystem "Frank". Gebrauchsspuren verleihen dem Möbel Authentizität. Das gilt auch für Schübbes "Pixelstars". Die Sitzmöbel und Betten aus Holzresten haben eine Fläche aus kleinen Schaumstoffblöcken, die sich beliebig anordnen lassen. Die Stoffe sind aus alten Textilien.

Oliver Schübbe ist der wohl bekannteste Recyclingdesigner in Deutschland. Sein Atelier hat er auf dem Gelände des Arbeitskreises Recycling in Herford eingerichtet. Hier werden eigentlich alte Möbel aufgearbeitet. Aber: "Von manchen Materialien bekamen wir so viel, dass wir nicht mehr wussten, wohin damit", sagt Udo Holtkamp, Vorstand des Arbeitskreises. "Auf unserem Hof lagerten Berge von Spanplatten, ausrangierte Schränke, Textilien, Fahrräder, Papier. Verbrennen und endgültig entsorgen wollten wir das nicht, es schien uns zu wertvoll." Also bedient sich Schübbe. Auch andere tun das: Inzwischen gibt es sogar einen Recyclingdesignpreis in Herford.

Die Firma Bauholz design aus Münster verwendet gebrauchte Bohlen aus dem Gerüstbau für die Herstellung ihrer Möbel und Ladeneinrichtungen. Die Geschäftsidee wurde aus einem Zufall heraus geboren. Für eine Messe-Präsentation von Glasobjekten suchten die Münsteraner ein wirkungsvolles Möbelstück. Die Wahl fiel auf Gerüstbohlen, die sie zu Tischen verarbeiteten. Das kam so gut an, dass die Messebesucher nicht nur das Glas, sondern gleich auch die Tische kaufen wollten. Seither fertigt das Unternehmen aus dem gebrauchten Bauholz edle Design-Möbel und komplette Ladeneinrichtungen.


dpa-Magazin / mag
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