Eine Wiese im Garten anlegen

Eine locker gewachsene Wiese mit hübschen Blümchen - sie findet man nicht nur am Ortsrand, sondern man kann sie auch selbst im Hausgarten anlegen. (Foto: Arno Burgi)

Kurz geschoren, dicht und in edlem Dunkelgrün: Die Zeiten, in denen der Rasen im Garten unbedingt so aussehen musste, sind vorbei. Wildwuchs ist in. Wo einst englische Korrektheit herrschte, ist jetzt laissez faire angesagt.

"Kurz geschorene Rasenflächen besitzen den Wert einer Kunststoffmatte - leblos, langweilig, eine echte Umweltbelastung", findet Reinhard Witt, Vorstand des Vereins Naturgarten in Heilbronn. Warum also nicht den eigenen Garten wie eine Wiese am Ortsrand gestalten?Neben den Blüten als Hingucker auf der Wiese gefällt der Landschaftsarchitektin Bärbel Grothe aus Bochum die Vielfalt. Sie sei Lebensraum für unzählige Bewohner, und somit hat sie einen großen ökologischen Wert. "Mit einer Wiese lockt man Nützlinge in den Garten, die dann nicht nur die Wiese besiedeln, sondern auch an anderen Stellen im Garten dabei helfen, Schädlingen Herr zu werden", erläutert Grothe. Und Gartenplaner Witt ergänzt: "Sie ist Niststatt, Futterplatz, Ruhezone und Winterquartier zugleich."

Grothe empfiehlt aus gestalterischer Sicht für eine Wiese eine größere Fläche im Garten zu reservieren. "Wenn man eine Wiese betrachtet, dann will man den Blick über eine Fläche streifen lassen", erläutert die Buchautorin. Eine feste Größe gibt es eigentlich nicht, aber Witt rät, mindestens 100 Quadratmeter einzuplanen. "So leistet die Blumenwiese tatsächlich einen Beitrag zum Artenschutz und ist groß genug, um seltene Arten von Fauna und Flora zu erhalten", erläutert der Planer für naturnahe Gärten. "Hat man nicht genügend Platz für eine Wiese, plant man besser ein Wildstaudenbeet." So kann man auf engstem Raum unterschiedliche Lebensbedingungen simulieren.

Wiesen findet man eher nicht im kleinen, aufgeräumten Stadtgarten, sondern in größeren Naturgärten. "Eine Wiese hat ihren Platz im Erlebnisgarten, der etwas wild ist und dessen Reiz das Entdecken ist", sagt Grothe. Will man eine Wiese anlegen, so muss man die klimatischen Bedingungen ebenso gut kennen wie die Bodenbeschaffenheit. "Am besten lässt man eine Bodenuntersuchung machen", sagt Witt. Auf nährstoffarmer Erde gedeihen Magerwiesen, auf reichhaltigerem Boden Fettwiesen mit anderen Pflanzen.

Aber Hobbygärtner müssen sich darüber im Klaren sein, dass diese Gartenform nicht immer blüht und vor Leben strotzt: "Wenn die Zeit der Mahd gekommen ist, wandelt sich das Bild schlagartig", sagt Grothe. "Die Fläche, die kurz zuvor noch grün und zum Teil auch noch bunt war, ist auf einen Schlag braun und unansehnlich." Es dauere einige Zeit, bis die Pflanzen nach dem Schnitt wieder schön gewachsen sind.

Literatur: Bärbel Grothe: "Naturgärten gestalten - Gärtnern im Einklang mit der Natur", Verlag Gräfe & Unzer, 144 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978 383 382 6047.

dpa-Magazin / mag
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