Einrichten wie in Skandinavien

Die Klassiker aus Skandinavien sind schon seit langem gefragt: Das populäre Regal "String" von Nils Strinning wurde erstmals bereits 1949 produziert. (Foto: String)

Selbst Laien wissen inzwischen: Skandinavier können Wohnräume stilvoll einrichten, ohne zu protzen. Und Städte wie Kopenhagen, Stockholm, Helsinki oder Oslo gelten als Hauptstädte des guten Geschmacks.

"Das skandinavische Design hat eine neue Identität gefunden - und zwar eine zeitgemäße", erklärt Sten Rasmussen, Inhaber von Scandinavian Objects in Berlin. Sein Geschäft repräsentiert den Stil ganz treffend: Drinnen ist die Atmosphäre trotz der vielen Produkte auf kleiner Fläche nicht überladen. Alles ist harmonisch aufeinander abgestimmt, nichts drängt sich auf.

Der Kunde darf an einem Tisch aus der "Pirkka"-Serie des finnischen Designers Ilmari Tapiovaara Platz nehmen. An der Wand hängt das in Nordeuropa überaus populäre Regal "String" von Nils Strinning. Von den Regalböden zwitschern die kultigen Holzvögel des Dänen Kay Bojesen: "Kay", "Ruth", "Peter", "Sunshine" und "Pop".

Viele der Möbel oder Leuchten sind seit Jahrzehnten auf dem Markt. Andere stammen von jungen Herstellern und Designern aus dem Norden. Die Design-Klassiker wirken nicht weniger modern als die neuen Produkte. Die schlichten, funktionalen Formen sind zeitlos.

Zu Zeiten der Postmoderne kam das skandinavische Design aus der Mode. Seit der Jahrtausendwende sind die schlichten Holzmöbel aber wieder sehr erfolgreich. "Heute wollen die Kunden etwas Echtes", erklärt Mirkku Kullberg, Firmenchefin des finnischen Herstellers Artek. "Auch wegen der ökonomischen Unsicherheit und der immer größeren Beliebigkeit im Design. Man will wissen, wo der Ursprung liegt. Die Produkte müssen Geschichte haben."

Auch weil Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie so wichtig geworden sind, erlebt der skandinavische Stil eine Renaissance. Denn die Hersteller verwenden hochwertige Hölzer aus heimischen Wäldern. "Die junge Generation steht dem Konsum kritischer gegenüber. Sie wollen Produkte, die eine Ethik repräsentieren, die langlebig sind und eine hohe Wertigkeit mitbringen", sagt Kullberg.

"Das Design in Skandinavien ist auf Konsens angelegt und weniger von Statusdenken geprägt", erläutert Sven Ehmann, Mitherausgeber des Buchs "Northern Delights". Die darin abgebildeten Häuser sind stilvoll eingerichtet. Der Fokus liegt aber nicht auf Luxus. Die Interieurs wirken nie mondän. Der skandinavische Stil steht laut Ehmann für einen "diskreten Modernismus".

Das Design will nicht revolutionär sein, sondern möchte das Leben der Menschen verbessern. Diese unaufgeregte Art des Einrichtens trifft stark auf die Bedürfnisse unserer Zeit, die von ökonomischer Unsicherheit und Beliebigkeit auf dem Markt für Design geprägt ist.


dpa-Magazin / mag
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