In Wohnräumen für bessere Luft sorgen

Eine Quelle für Schadstoffe im Zuhause können auch Bodenbeläge sein. (Foto: Kai Remmers)

Wer lüftet, transportiert mit der Luft Schadstoffe und Feuchtigkeit aus dem Raum. Denn sonst wird es nicht nur für die Bewohner stickig: Die Wände können als Folgeproblem unter Schimmel leiden.

"Fenster schließen heute immer dichter", erklärt Prof. Barbara Hoffmann vom Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung. "Wenn nicht gleichzeitig auch die Dämmung der Wände von außen verbessert wird, bleiben die Wände kühl, und Feuchtigkeit aus der Raumluft kann sich daran niederschlagen." Das ist der Nährboden für Schimmelpilze. Eleni Kontonasiou vom Buildings Performance Institute Europe betont daher: "Ein Passivhaus etwa sollte eine Lüftungsanlage haben."

Morgens und abends zehn Minuten Stoßlüften bei weit geöffnetem Fenster empfiehlt das Umweltbundesamt (UBA). Manchmal reicht Lüften allerdings nicht. "Schimmel entsteht auch, wenn ein Gebäude nicht dicht ist, warme Luft nach außen entweicht und Kondenswasser an den Austrittsstellen hinterlässt", erklärt Volker Zaborowski vom Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau. Dann müssen Experten zurate gezogen werden, die die Ursachen und Lösungen für den Schimmelbefall ausmachen. Das sei wichtig, denn Schimmel kann Asthma verschlimmern und die Atemwege reizen, sagt Barbara Hoffmann.

"Aus wissenschaftlicher Sicht ist Schimmel allerdings nur ein Problem unter vielen", sagt Moriske. Belastet werde die Luft in Innenräumen auch durch flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC. "Diese Stoffe findet man heute fast überall", sagt Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt. "Sie können in Klebern, Lösemitteln, Farben, Möbeln und Reinigungsmitteln enthalten sein." Diese Stoffe dünsten im Wohnraum aus. Das bedeutet aber nicht, dass man davon sofort krank wird: "Die Konzentration und die Dauer der Einwirkung ist entscheidend." Immerhin gasen VOC recht schnell aus, in der Regel verflüchtigen sie sich innerhalb weniger Wochen bis Monate.

Schwerflüchtige Stoffe

Anders die schwerflüchtigen Verbindungen oder SVOC, die als Weichmacher in Kunststoffen und als Ersatz für Lösemittel in Farben enthalten sind. "SVOC gasen sehr viel weniger aus, dafür aber über Jahre", sagt Moriske. Einige von ihnen stehen im Verdacht, zu Unfruchtbarkeit und Frühgeburten beizutragen. Manche, aber nicht alle VOC, kann man an einem chemischen Geruch erkennen. In der Apotheke oder im Internet gibt es Tests, die Hinweise geben, ob eine hohe oder geringe Schadstoffbelastung vorliegen könnte, betont Moriske. Labore machen genauere Tests.

Viele Schadstoffe lassen sich bereits beim Einkauf vermeiden. Eine Quelle dafür sind Möbel, Bauprodukte wie Parkettkleber sowie Bodenbeläge. Den Blauen Engel tragen etwa schadstoffarme Bodenbeläge und Möbel, auch das Label GUT zeichnet Bodenbeläge aus. Viele Beläge werden außerdem baurechtlich geprüft. "Experten empfehlen, nur solche Produkte zu kaufen, die ein Prüfzeichen aufweisen", erklärt Moriske. Bei manchen anderen Siegeln sitzen die Hersteller aber mit im Vergabekomitee. Hier rät er zu genauem Nachfragen im Geschäft.

Eine weitere Ursache von schlechter Luft ist Feinstaub. Das sind Partikel, die kleiner als ein hundertstel Millimeter sind. Sie lagern sich in den Lungenbläschen ein, können Atemwegs- und Herzerkrankungen sowie Lungenkrebs verursachen. Durch Türen und Fenster gelangt die belastete Außenluft auch in Innenräume. Zigarettenqualm, Rauch von Speisen im Ofen und auf dem Herd, angezündete Kerzen, Öfen und Kamine sind weitere Quellen von Feinstaub, erklärt Barbara Hoffmann. Auch Laserdrucker im Büro entlassen ihn in die Luft.

UBA-Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen als Download unter http://asurl.de/11rq.

dpa-Magazin / mag
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