Klinkerfassaden sind robust

An Klinkerhäusern sieht man die harte Arbeit des Hausbaus: Stein auf Stein wächst die Fassade nach oben. Die dünnen Ziegel vor dem eigentlichen Mauerwerk sind robust und halten unter Umständen jahrzehntelang der Witterung stand.

"Der Klinker ist ein gutes Material, denn er beinhaltet zwei wesentliche Eigenschaften: Er ist dauerhaft und schön", erklärt der Architekt Prof. Michael Schumacher, Leiter des Instituts für Entwerfen und Konstruieren an der Leibniz Universität in Hannover.Klinker sind besonders hartgebrannte und zumeist dunklere Ziegel. Ihr Name leitet sich davon ab, dass beim Zusammenschlagen ein klingender Laut entsteht. Die zumeist kleinformatigen Quader aus blauem Ton werden wegen ihres höheren Silikatgehaltes bei etwa 1200 Grad gebrannt. Dabei schmilzt der Ton, und durch das Schließen der Poren im Brennofen, die sogenannte Versinterung, nehmen die fertigen Steine weniger Wasser auf. Sie sind daher frostsicher und insgesamt wetterbeständiger. Wird noch eine Luft- oder Dämmschicht zwischen Mauer und Klinker gelegt, kann das einen energieeffizienten Wärmeschutz bieten.

Klinker gibt es in vielen Farbabstufungen: Cremeweiß, Gelb, Sandfarben oder Rot-Blaugeflammt, Kirsch- oder Dunkelrot, Terrakotta, Dunkelbraun und Anthrazit sind nur einige der vielfältig changierenden Töne. Die Farbnuancen werden nach Herstellerangaben durch Beimischung natürlicher Zuschläge erreicht.

"Die Kosten für den Bauherren sind stark abhängig vom Material, dem Verlegemuster und der Region. Als Anhaltspunkt gilt eine Größenordnung von knapp 100 Euro für einen Quadratmeter Vormauerziegelwerk inklusive Verlegung", sagt Martin Roth, Sprecher des Bundesverbandes Ziegelindustrie. "Dies ist zwar etwas mehr, als für eine Fassade mit Wärmedämmverbundsystem bezahlt werden muss. Aber schon beim ersten Anstrich kehrt sich dies um." Denn ein Klinker muss ja bekanntlich nicht gestrichen werden.

Allerdings haben auch Klinkerfassaden Nachteile: In manchen Fällen bildet sich bei Niederschlägen auf den undurchlässigen Steinen ein Feuchtigkeitsfilm, und das Wasser wird bei porösem Mörtel in die Fugen gedrückt. Dadurch kann das gesamte Mauerwerk Schaden nehmen.

"Die Dauerhaftigkeit eines zweischaligen Verblendmauerwerks ist stark abhängig von der Qualität der Fuge", erläutert Maurergeselle Torsten Schinkel, der als Sachverständiger solche Schäden begutachtet. Mit einer hochwertigen Fugenverarbeitung und guter Nachbehandlung könne Klinker aber mehrere hundert Jahre halten. Die Mörtelfugen sollten je nach Qualität der Ausführung nach 60 Jahren überprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden.


dpa-Magazin / mag
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden