Neue Boxspring-Modelle in schlichtem Design

Wie zwei überdimensionale Kissen wirken die Matratzen des Boxspringbetts "Jalis" von Jürgen Laub und Marcus Jehs für Interlübke. (Foto: Interlübke)

Barack Obama soll auf einem schlafen, und die Gäste der gehobenen Hotellerie sowieso: Boxspring-Betten liegen im Trend. Doch die meisten Modelle wirken klobig und unmodern. Produkte, die neben viel Komfort auch eine zeitgemäße Gestaltung bieten, gibt es bis jetzt nur wenige.

Die neuen Bettsysteme haben keinen Rahmen und keinen Lattenrost. Stattdessen sind zwei Federkern-Matratzen aufeinandergestapelt. Oben drauf packen die Hersteller oft noch dicke Auflagen, was den Betten eine ungewöhnlich hohe Einstiegshöhe verleiht. Komplettiert wird das Ensemble durch ein opulent gepolstertes Kopfteil. Häufig ist die Rede von Boxspringbetten, jedoch geht der Name auf eine US-Marke zurück. Vielfach werden diese Modelle daher auch einfach als Polster- oder Kontinentalbetten bezeichnet.

Die Bettenbranche freut sich über Absatzchancen und arbeitet fieberhaft daran, den Markt mit neuen Produkten zu bedienen. Wie so oft führt die hastige Umsetzung eines Trends aber nicht automatisch zu überzeugenden Ergebnissen. "Uns gefallen die meisten Boxspring-Lösungen nicht", sagt zum Beispiel der Stuttgarter Designer Jürgen Laub. "Die sehen aus wie die Betten der Queen von England. Man muss wegen der großen Höhe mit Anlauf draufspringen. Das ist ein bisschen uncool."

Der Komfort der Boxspringbetten ist aufgrund der vielen Matratzenschichten hoch. Über deren Coolness-Faktor lässt sich allerdings streiten. Für Liebhaber eleganten Designs passen die pompösen und wuchtigen Betten nicht in ein schickes Großstadtloft oder einen eleganten Architektenbau.

Designer wie Jürgen Laub und sein Partner Marcus Jehs suchen deshalb nach einer alternativen Gestaltung für das System. Sie haben ein Bett als Erweiterung des Polstermöbel-Programms "Jalis". Das vom deutschen Hersteller Interlübke gefertigte Möbel setzt sich nicht einfach nur aus zwei viereckigen, übereinandergestapelten Matratzen zusammen. Denn Laub findet: "Boxspringbetten stapeln einfach nur, das wirkt ästhetisch einfältig."

Bei "Jalis" sehen die beiden Elemente aus wie überdimensionale Kissen. Das größere geht in das Kopfteil über. Diese Elemente haben wie normale Boxspring-Matratzen Federkerne in sich. Statt wie eine Kiste mit Matratzen wirkt der Entwurfe fast märchenhaft: "Man liegt auf dem Bett wie ein Schmuckstück auf dem Kissen oder wie die Prinzessin auf der Erbse", sagt Laub.

Eine moderne Interpretation liefert Julia Fellner aus München mit ihren Bett "Miut" für den Hersteller Zeitraum ab. Die Designerin aus München versucht vor allem, das wuchtige Volumen traditioneller Produkte zu reduzieren: "Ich wollte die Grenze austesten, wie schlank ein Boxspring werden kann, ohne dass das Bett dabei an Komfort verliert", erklärt Fellner.

Auch der Hersteller Kreamat setzt auf Minimalismus. An den Modellen der Kollektion "Sparta" haben die Designer den unteren Taschenfederkern ebenfalls auf ein Minimum reduziert. Die Kopfteile sind ungewöhnlich niedrig gehalten und verzichten auf die üblichen gesteppten Ausführungen.

Die aktuellen Interpretationen zeigen, dass modernes Design und Bequemlichkeit zusammenpassen. Die Betten bieten den gewohnten Komfort, verzichten dabei aber nicht auf eine zeitgemäße Formensprache. Deren Gestaltung setzt nicht auf Prunk, sondern bevorzugt die leisen Töne. Ruhe und ein wenig nüchterne Gelassenheit sind im Schlafzimmer sicher keine schlechte Idee.


dpa-Magazin / mag
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