Tapeten dürfen heute ein Blickfang sein

Täuschend echt: Luigi Colani kreiert Tapeten, die wie Metallverkleidungen aussehen. (Foto: DTI/Colani)
 
Barocke Opulenz: Marburg setzt die kupferfarbene Kollektion "La Veneziana" in Szene, indem stilecht eine Chaiselongue vor die Wand gestellt wird. (Foto: DTI/Marburg)

Die Deutschen sind bei der Gestaltung ihrer Wände mutiger geworden. Die immergleiche Raufaser hat ausgedient. "Sie war zweckmäßig, aber keinesfalls etwas Besonderes", sagt der Designer Lars Contzen.

Dabei kann eine Tapete wie eine Bühne sein. Genau das haben die Verbraucher erkannt, und der Stellenwert der Tapete sei gestiegen: "Sie ist Ausdruck der eigenen Individualität geworden. Statt nur als dekoratives Element zu dienen, ist die Tapete heute gestalterisches Mittel, das einen Raum dominieren kann", so der Designer, der als Pionier der grafischen Tapete gilt.Und das zeigt sich auch in den Kollektionen. Unterschiedlicher könnten die Trends nicht sein: Entweder kommen Tapeten mit Blumenwiesen an die Wände oder Exemplare, die aussehen wie eine schäbige Betonwand. Und die Alternative ist was für Exzentriker: Goldene Ornamente im Barockstil. In Contzens Kollektionen finden sich etwa stilisierte Kleeblätter.

Jörn Kämper von A.S. Création bestätigt den Wandel: "Noch vor wenigen Jahren sollte die Tapete nicht auffallen. Heute ist das Gegenteil erwünscht." Wie die Mode sei die Tapete Mittel zum Ausdruck der Persönlichkeit geworden. Deswegen hat der Tapetenhersteller gemeinsam mit dem Modelabel Versace eine Kollektion auf den Markt gebracht. Die Kollektion mit Namen "Versace" zeigt prunkvolle Ornamente im Barockstil in Schwarz und Gold auf ochsenblutroten oder royalblauen Hintergründen. Marburg setzt die kupferfarbene Kollektion "La Veneziana" mit einer Chaiselongue vor der Wand in Szene.

Eine Rolle kostet 80 Euro. Die Deutschen sind bereit, für Tapeten tiefer in die Tasche zu greifen. Das zeigen die Umsatzzahlen: Während die Anzahl der verkauften Rollen 2012 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging, stieg der Umsatz in Deutschland um zwei Prozent auf 142 Millionen Euro. Aber die Tapeten zieren nicht mehr unbedingt einen ganzen Raum. "Statt an allen, wird die Tapete nur an einer Wand im Raum angebracht, die als Hingucker dient", erklärt Ulrike Reich vom Deutschen Tapeten-Institut in Düsseldorf. Idealerweise ist das eine fensterlose Wand, an der keine hohen Schränke stehen. "Für die restlichen Wände gibt es passende, unifarbene Tapeten", so Reich.

An den Wänden sind derzeit häufig Blüten zu sehen. "Tapeten mit floralem Muster sind seit einigen Jahren beliebt", sagt Reich. "2013 sind eindeutig florale Dessins in Aquarell-Optik angesagt." Neben Apfelgrün und Koralle sei Wasserblau besonders beliebt.

Blaue Motive finden sich etwa in "Pure Elegance 2015» des Tapetenherstellers Erismann. Die asiatisch inspirierten Blüten erinnern an das blau-weiße Porzellan der chinesischen Ming-Dynastie. Blüten kommen aber nicht nur alleine auf die Wand. Kombiniert werden sie etwa mit geometrischen Formen wie Blumenranken mit kleinen Karos. «Verknüpfungen mit Streifen und Wellen kommen beim Verbraucher ebenfalls gut an», berichtet Marcus Mattes von Erismann.

Wer weder Blumen noch barocke Muster mag, hat eine trendige Alternative zur Auswahl. Der Shabby-Schick bringt den Charme von Industriehallen ins Wohnzimmer. Besonders beliebt sind laut Reich Tapeten, die aussehen wie eine Betonwand - etwa in der Kollektion "Factory" von Rasch. Luigi Colani setzt mit "Visions" geschwungene Linien auf einen kupferähnlichen Hintergrund. Alternativen sind Vliese, die Metall- oder Steinverkleidungen imitieren.

Zudem feiern die Designs der 50er bis 70er Jahre ein Comeback. "Nachdem die modern interpretierten Retromuster in den vergangenen Jahren bereits die Wände von Szenebars zierten, halten sie nun Einzug in die privaten vier Wände", erläutert Ulrike Reich.


dpa-Magazin / mag
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