Wand verliert Reiz für Künstler

Kunst oder Vandalismus? Hausbesitzer haben nur Ärger mit Graffitis. Sie müssen die Schmierereien teuer beseitigen lassen. (Foto: Franziska Koark)

Wer ein Graffiti an seiner Hauswand entdeckt, sollte es möglichst rasch entfernen. Sei eine Wand erst einmal vollgeschmiert, ziehe sie erfahrungsgemäß Nachahmer an, sagt Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Sei die Wand schnell wieder sauber, verliere der Standort für den Sprayer hingegen an Reiz.

Ein illegales Graffiti sei nur dann interessant, wenn es sich möglichst lange in der Öffentlichkeit halte und Bewunderung erfahre. Ein Graffiti ist entweder eine einfache Signatur des eigenen oder des Gruppennamens, ein mehrfarbig gestalteter Schriftzug oder ein ganzes Motiv an Hausfassaden, Mauern oder Garagentoren. "Sie sind illegal, wenn sie ohne Einwilligung der Eigentümer angebracht werden", sagt Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Juristisch betrachtet handele es sich um eine Sachbeschädigung. Hausbesitzern rät Schmidt, wenn sie Sprayer auf frischer Tat erwischen, sofort den Notruf 110 zu wählen.Die Entfernung von Graffiti ist aufwendig - etwas Wasser und Seife reichen nicht. "Bei der Beseitigung einer Schmiererei auf einem Anstrich kann der Hausbesitzer mit Anti-Graffiti-Farbe Erfolg haben", sagt Ludger Küper vom Paint Quality Institute in Schwalbach im Taunus. Das Mittel kommt über das Graffiti und wird dann abgebürstet und abgelöst.

Aber das Abbeizmittel beschädigt den Anstrich unter dem Graffiti. Daher müsse man die Fläche möglichst mit der Originalfarbe mindestens zweimal überstreichen. Bei einem weißen Anstrich der Fassade ist es nicht schwierig, den richtigen Farbton wiederzufinden. Anders sei dies bei farblich gestalteten Fassaden, da die Farben in der Sonne ausbleichen, sagt Küper.

"Ein Graffiti ist auf offenporigen Untergründen wie Sandstein nur schwer zu entfernen", sagt der Architekt Ulrich Zink vom Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung in Berlin. Dann müssten ein Maler, ein Fassaden- und Gebäudereiniger oder spezialisierte Fachfirmen helfen.

Hausbesitzer können auch vorbeugen: "Das Auftragen einer permanenten Schutzbeschichtung verhindert das Eindringen von Lacken in den Untergrund", erläutert Zink. Graffiti lasse sich dann mit einem Reinigungsmittel abwaschen. Der Nachteil der Schutzschicht ist, dass die Atmungsfähigkeit der Fläche abnimmt. Das kann Schimmelbildung zur Folge haben. Daher sollte man die Beschichtung nur an den für Sprayer besonders einladenden Flächen auftragen.

Ein Tipp der Polizei: "Kein illegaler Sprayer steht gerne im Rampenlicht", sagt Schmidt. Er rät, gefährdete Fassaden am besten in Kombination mit einem Bewegungsmelder zu beleuchten. Auch eine begrünte Wand sei kein ansprechender Hintergrund für einen Sprayer. Und das letzte Mittel sei, selbst Sinn für Farbe zu zeigen - denn grober Putz in bunten Tönen sei keine gute Leinwand.


dpa-Magazin / mag
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