Arkaden bleiben offen: Bezirk erlässt Erhaltungsverordnung für das Nikolaiviertel / WBM-Pläne vom Tisch

Berlin: Nikolaiviertel |

Mitte. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) kann nicht wie geplant die charakteristischen Arkadengänge im Nikolaiviertel schließen. Das Bezirksamt hat dies jetzt mit dem Erlass einer städtebaulichen Erhaltungsverordnung verhindert.

So schnell kann es manchmal gehen. Nur wenige Monate nach Bekanntwerden der WBM-Pläne im Nikolaiviertel hat der Bezirk reagiert. Wie von der BVV zum Schutz des Nikolaiviertels Ende 2015 gefordert, hat das Bezirksamt die Aufstellung einer städtebaulichen Erhaltungssatzung beschlossen. Damit sind die WBM-Pläne, die offenen Arkadengänge zugunsten größer Ladenflächen und Schaufenster zu schließen, vom Tisch. „Wir werden jetzt andere Konzepte erarbeiten, um das Nikolaiviertel noch attraktiver zu machen“, sagte WBM-Sprecherin Steffi Pianka. Wie berichtet, waren die Arkadenpläne auf Widerstand bei den Gewerbetreibenden, Denkmalschützern und Politikern gestoßen.

Baurechtlich wäre ein Umbau möglich gewesen, weil das Nikolaiviertel nicht unter Denkmalschutz steht und es bisher auch keine Erhaltungsverordnung gibt. Mit dem Bezirksamtsbeschluss zum Erhalt des Nikolaiviertels zwischen Mühlendamm, Spandauer Straße, Rathausstraße und Spreeufer ändert sich dies jetzt.

Das Nikolaiviertel wurde im Vorfeld der 750-Jahr-Feier Berlins von 1981 bis 1987 als DDR-Vorzeigeviertel auf altem Stadtgrundriss rekonstruiert. Historische Lokale wie Am Nußbaum oder Zur Gerichtslaube wurden nachgebaut. Das Bezirksamt würdigt mit der Unterschutzstellung den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Quartiers unter Leitung des Architekten Günter Stahn. „Die wenigen erhalten gebliebenen Gebäude wurden restauriert und durch zahlreiche Neubauten, teils mit historisierenden Fassaden, teils in angepasster industrieller Plattenbauweise besonderer Art mit Giebeln, Ornamenten und schmiedeeisernem Zierrat, aber auch mit Kippfenstern und modern zugeschnittenen Wohnungen ergänzt“, heißt es in der Begründung. „Städtebaulich bemerkenswert“ sei der „industrielle Wohnungsbau auf einem mittelalterlichen Stadtgrundriss mit historisierendem Gestaltungsduktus.“ DJ
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