Bahnhof Friedrichstraße muss saniert werden

Gerüste und Planen an der Decke. Der Bahnhof Friedrichstraße bleibt Baustelle. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Fast zwei Jahre nach dem Absturz eines 25 Kilogramm schweren Betonbrockens von der Decke im Bahnhof Friedrichsstraße stehen immer noch Gerüste in der Passage. 2015 will die Bahn eine größere Sanierung vornehmen.

"Wegen Bauarbeiten der Deutschen Bahn geschlossen", steht an der Glastür der Bäckerei in der Ladenpassage. Weitere Läden sind dicht; der asiatische Imbiss nennt "umfangreiche Sanierungsarbeiten des Bahnhofs" als Grund für die Zwangspause. Auch das DB-Reisezentrum ist "aufgrund von Sanierungsarbeiten an den Gleiströgen" zu, wie Bahn-Baustellenmaskottchen Max Maulwurf informiert.

Wo sonst Kunden anstehen, liegen Gerüstteile und Baumaterial. Die zahlreichen Löcher in der Zwischendecke, die Arbeiter für Untersuchungen gebohrt hatten, sind notdürftig mit Planen verdeckt.

Anfang 2013 sollte die Sanierung abgeschlossen sein, wie die Bahn damals mitteilte. Doch wie nun bekannt gegeben wurde, bleibt der Bahnhof Baustelle. Das Problem: Bei der Sanierung Ende der 90er-Jahre wurden die Stellen, auf denen die Bahnsteigquerträger auf dem Gleistrog aufliegen, mit Beton verfüllt. Laut Bauplan hätten sie aber frei bleiben müssen, damit die Bahnsteigträger die Schwingungen aufnehmen können.

Durch die Schwingungen hatte sich am 13. Dezember 2012 der Beton an einer Auflagestelle gelöst und war durch die Hallendecke der Ladenpassage gestürzt. Der 25 Kilogramm schwere Betonbrocken hätte um Haaresbreite Passanten erschlagen. Reiner Zufall, dass in der belebten Passage niemand verletzt wurde.

Insgesamt gibt es 244 sogenannte Auflagestellen für die Querträger. Nachdem 2012 zur Sicherung ein sogenannter Entlastungsschnitt, bei dem Teile der Betonfüllung entfernt wurden, vollzogen wurde, starte die Bahn ein Pilotprojekt zur endgültigen Lösung. Bewegliche Kunststofflager sollen die alten aus Beton entlasten. An vier Lagern wurde das Verfahren schon erfolgreich getestet. Die verbleibenden 240 sollen überwiegend im nächsten Jahr folgen. Dazu müssen die Bahnsteigkanten zeitweise gesperrt werden.

Friedemann Keßler, Leiter Regionalbereich Ost bei der Bahn, versucht zu beruhigen: "Wir sind gerade in Planungen mit der DB Netz AG, um die Auswirkungen auf den Zugverkehr zu minimieren. In jedem Fall sind nur die Gleise des Fernverkehrs betroffen. Ausfälle bei der S-Bahn wird es aus diesem Grund nicht geben."

Gleichzeitig wird die Anlagentechnik im Bahnhof an die geltenden Normen angepasst. Dies betrifft neue Brandmelde-, Sprinkler- und Sprachalarmanlage sowie Akustikdecken. Einige der 49 betroffenen Mieteinheiten wurden bereits modernisiert. Die anderen werden folgen. Während dieser Zeit - je nach Größe sind 14 Tage bis drei Monate kalkuliert - müssen die Läden schließen.

Miete müssen die Inhaber für den Zeitraum aber nicht zahlen. Außerdem hat die Bahn mit jedem Laden eine individuelle Entschädigungsvereinbarung getroffen, um Umsatzeinbußen aufzufangen. Viele Mieter nutzen die Sanierungsphase, um selbst umzubauen. Die Sanierung kostet insgesamt zehn Millionen Euro, wie die Bahn jetzt mitgeteilt hat.


Gerrit Lagenstein / gl, DJ
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