Ballermann-Pavillons kommen weg: Am Holocaust-Mahnmal wird bald gebaut

Die Gastro-Pavillons neben dem Stelenfeld an der Cora-Berliner-Straße werden Ende März geschlossen. Auf dem Grundstück soll bis Ende 2018 ein Wohnhaus gebaut werden. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Holocaust-Mahnmal |

Mitte. Pizza, Hotdogs, Bier und Berlin-Souvenirs – damit ist jetzt Schluss. Die Pavillons direkt am Stelenfeld des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ werden geschlossen. Der Münchner Projektentwickler MUC Real Estate plant an der Cora-Berliner-Straße ein Wohnhaus.

Den Mietern der Restaurants, Imbissbuden und Souvenirshops in den 2006 eröffneten Pavillons am Holocaust-Mahnmal ist zum 31. März 2016 gekündigt worden. Damit enden auch die Streitereien zwischen den Wirten und der Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“.

Stimmung ist gekippt

Seit zwei Jahren gibt es massiven Ärger „wegen des Ballermann-Charakters“, so Stiftungssprecherin Jenifer Stolz. Nach Stress mit wilden Wurstverkäufern vor über zehn Jahren war die Stiftung damals froh, dass an der Cora-Berliner-Straße der 115 Meter lange Kneipenpavillon eröffnet wurde. Der Holzbau mit Aussichtsterrasse auf das im Mai 2005 eröffnete Stelenfeld war Ergebnis intensiver Diskussionen zwischen Bezirksamt, Bauherren und der Stiftung. „Anfangs hat alles gut geklappt“, sagt Stolz. Doch ab 2014 ist laut Stolz die Stimmung gekippt. Aufdringliche Flyerverteiler hätten die Mahnmal-Besucher massiv belästigt. Die Gäste wurden teilweise vom Stelenfeld in die Restaurants gezerrt. „Das hat nicht zu diesem Ort gepasst“, so Jenifer Stolz.

Die Pavillons sind nun Geschichte. Der Münchner Projektentwickler MUC Real Estate plant auf dem rund 4400 Quadratmeter großen Grundstück ein Gebäude mit 125 Mietwohnungen sowie Restaurants und Läden im Erdgeschoss. 2018 soll alles fertig sein. Seit 2011 gibt es eine Baugenehmigung für ein achtgeschossiges Gebäude. Die bisherigen Grundstückseigentümer hatten diese immer wieder verlängert – zuletzt im April 2015 bis zum 3. März 2016 – so wie auch die Genehmigung für den Pavillon als Zwischennutzung, der ursprünglich schon 2009 weg sollte.

Planungsrecht gesichert

Das exklusive Baugrundstück wurde jetzt an zwei Family Offices verkauft, wie private Anleger im Immobilien-Jargon heißen. Sie wollen anonym bleiben. Auch über die Kaufsumme für das Grundstück wurde Stillschweigen vereinbart. Der geplante Neubau ist Teil des Bebauungsplans I-202a, der noch bis zum 22. März bei der Senatsbauverwaltung ausliegt. Er soll die Flächen für das Stelenfeld und die Randbebauung mit einem Wohnhaus an der Cora-Berliner-Straße planungsrechtlich sichern. Demnach darf das Gebäude 29 Meter hoch sein.

Bevor die Bagger anrücken, finden ab Frühjahr umfangreiche Bodenuntersuchungen auch auf den Parkplätzen hinter dem Pavillon statt. Es werden zum Beispiel Bunkerreste an der Ecke Hannah-Arendt-Straße vermutet. Laut MUC-Geschäftsführer Christian Ruhdorfer soll das Investitionsvolumen für den Neubau im dreistelligen Millionenbereich liegen. Die Pavillons sollen vorerst stehenbleiben. Möglich wäre eine kulturelle Zwischennutzung, so Ruhdorfer. „Wir freuen uns, dass endlich gebaut wird“, sagt Stiftungssprecherin Jenifer Stolz. DJ
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