Heilige Barbara wacht über Tunnelbauer der U5

Die Prozession auf dem Weg zur Baustelle der U5. (Foto: Regina Friedrich)

Mitte. Erstaunt reiben sich Passanten auf der Friedrichstraße die Augen: Wer kommt denn da um die Ecke? Ein Zug singender Menschen mit Zweigen in der Hand, angeführt von einem Pfarrer. Neben ihm eine junge Frau in Arbeitsmontur mit einer kleinen Holzfigur.

Dann biegt der Zug auf die Straße Unter den Linden ein und verschwindet auf der U-Bahn-Baustelle buchstäblich in der Erde. Es ist der 4. Dezember, der Barbaratag.

Das Schweizer Bau- und Dienstleistungsunternehmen Implenia, das im Auftrag der BVG die Tunnel, die Bahnhöfe Museumsinsel und Unter den Linden für die Verlängerung der U5 sowie die Zusammenführung mit der U55 realisiert, nimmt es mit dem Schutz seiner Baustellen ganz genau.

Die Heilige Barbara gilt als Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer. In Berlin wacht sie bereits seit Baustart 2013. Seitdem wird jedes Jahr am 4. Dezember der Segen erneuert, damit sie auch weiterhin die Bauleute beschützt.

Die Segnungen finden im Wechsel in der St. Marienkirche und in der St. Hedwigs-Kathedrale statt, in diesem Jahr im katholischen Gotteshaus.

Nach der Prozession zur Baustelle, an der der Bahnhof Unter den Linden entsteht, kam die Heilige Barbara wieder an ihren Platz oben an einer Betonwand. Pfarradministrator Arduino Marra von der Domgemeinde St. Hedwig musste dazu auf eine hohe Leiter klettern, um die kleine Figur in einen beleuchteten Drahtkäfig zu stellen und dabei noch mit Weihwasser zu segnen. Bei der Implenia hat jede Baustelle eine Barbara-Statue und wandert immer mit den Bauleuten mit.

Der Legende nach wurde Barbara von ihrem Vater eingesperrt. Sie wollte ihren christlichen Glauben nicht verleugen, so folgte er ihr nach ihrer Flucht und enthauptete sie. Der Brauch, am Barbaratag Zweige von Kirsch- oder Apfelbäumen abzuschneiden und ins Wasser zu stellen, entstammt ebenfalls der Legende. Blühen die Zweige bis Heiligabend, bringt es Glück im kommenden Jahr.

Die Heilige Barbara kümmert sich auch noch um Feuerwehrleute, Steinmetze, Zimmerleute, Gefangene und Sterbende. Aber die Berliner Tunnelbauer brauchen ihren Segen, wenn wie vorgesehen 2017 der Durchbruch von der U5 zur U55 erfolgt. ReF
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