Käufer will Haus der Gesundheit sanieren und zum Medizinzentrum entwickeln

Die AOK hat das Haus der Gesundheit verkauft. (Foto: Dirk Jericho)
 
Zufrieden mit der Lösung. Gesundheitssenator Mario Czaja, Architekt Daniel Bormann und AOK-Chef Frank Michalak. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Haus der Gesundheit |

Mitte. Die AOK Nordost als Eigentümerin hat das Haus der Gesundheit (HdG) in der Karl-Marx-Allee 3 an einen privaten Investor aus München verkauft. Ab 2017 soll das Haus saniert und zum modernen Medizinstandort ausgebaut werden. Weitere Ärzte sollen einziehen.

Die Befürchtung, das für den Kiez so wichtige Ärztehaus in der Karl-Marx-Allee 3 könnte schließen, ist unbegründet. Das betonten die AOK Nordost als Eigentümerin der Immobilie und Vertreter des Käufers, der nicht genannt werden möchte, auf einer Pressekonferenz. „Wir werden das Haus der Gesundheit erst wieder zum Haus der Gesundheit machen“, sagte Architekt Daniel Bormann vom Kreuzberger Büro realace, das mit der Sanierung beauftragt wurde. Bisher sei das Haus „eine große leerstehende Immobilie“.

Seit dem Auszug des Sana-Gesundheitszentrums (SGZ) als Betreiber des HdG vor zwei Jahren hat sich vor allem für die älteren und gehbehinderten Menschen im Kiez die ambulante Versorgung verschlechtert. Der Klinikkonzern Sana hatte sein Gesundheitszentrum (SGZ) mit 24 Arztstellen an das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn verkauft. Der katholische Krankenhausträger Alexianer, dem auch das St.-Hedwigs Krankenhaus in der Großen Hamburger Straße gehört, hatte vier Arztsitze übernommen. Drei Allgemeinmediziner und ein Urologe sind beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Alexianer angestellt. Dazu gibt es im Haus noch eine niedergelassene Gynäkologin.

Verkauf wurde kritisiert

Die AOK als Eigentümerin hatte sich nach dem Auszug ihres Hauptmieters Sana für den Verkauf des Haues entschlossen und ein Bieterverfahren gestartet. „Immobilienbesitz ist keine Aufgabe einer Krankenkasse“, sagte AOK-Chef Frank Michalak. Der Verkauf wird vor allem von den Linken scharf kritisiert. Carola Bluhm, Mittes Wahlkreisabgeordnete der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, protestiert gegen die Privatisierung und fordert, dass der Bezirk Mitte von der „Möglichkeit des kommunalen Vorkaufsrechts Gebrauch macht“. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) hatte ebenfalls mitgeboten, war aber mit den von den Linken kolportierten acht Millionen Euro gescheitert.

Die AOK hat den Münchener Investor vertraglich verpflichtet, das Ärztehaus zu erhalten und wie bisher mindestens 50 Prozent der Fläche (2500 Quadratmeter) dafür zur Verfügung zu stellen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Architekt Bormann sagte, dass das HdG ein modernes Gesundheitszentrum werden soll. Vor allem für Neuzuzügler im Kiez sei das sanierungsbedürftige Haus so nicht attraktiv. Ohne dass die jetzigen Ärzte ausziehen müssen, soll das Gebäude im Bestand vom Dach bis zum Keller für mehrere Millionen Euro saniert werden. Alle Mieter wie Apotheke, Ärzte, Alexianer-MVZ oder Physiotherapie sollen bleiben. Die AOK wird ihren Servicepunkt aufgeben. Zwei Drittel der Flächen (insgesamt 5000 Quadratmeter) stehen dann leer. Der Investor will eine Nutzungsmischung rund um das Thema Gesundheit und Pflege, wie Bormann sagt. Die freien Flächen sollen an weitere Arztpraxen, Gesundheitsfachhandel und Start-up-Firmen, die sich – Stichwort Life Science – mit modernen Gesundheitskonzepten befassen, vermietet werden. Ärzte und Start-ups sollen voneinander profitieren. Wie Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sagt, wollen die Alexianer als Hauptmieter ihr Versorgungszentrum im Haus der Gesundheit erweitern. Es gibt Pläne für ein ambulantes OP-Zentrum am Standort. Die AOK-Verkaufsklausel zum Erhalt des Ärztehauses gilt fünf Jahre. Daniel Bormann betonte aber, dass das HdG auch darüber hinaus Medizinstandort bleibt. Der anonyme Käufer besitze bereits mehrere Ärztehäuser und wolle die Immobilie nicht weiterverkaufen.

Denkmal mit Stuckmarmor

Das Haus der Gesundheit wurde 1914 als sechsgeschossiges Geschäftshaus errichtet. Das denkmalgeschützte Gebäude mit kunstvoll geschmiedeten Treppengeländern und Stuckmarmor an den Decken wurde seit 1923 als Ärztehaus genutzt. 1948 eröffnete hier am Alex die erste Poliklinik Berlins. Der Sana-Konzern hatte das Gesundheitszentrum 2005 vom Paritätischen Unternehmensverbund übernommen. Nach dem Auszug 2014 hatte der Krankenhausträger Alexianer vier Arztsitze übernommen. Der Hauptmieter will im sanierten HdG expandieren. DJ
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