Luxuslofts statt Seniorenheim an den Hackeschen Höfen

Das Seniorenheim gegenüber der Hackeschen Höfe soll abgerissen werden. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Pro Seniore Residenz Vis à vis der Hackeschen Höfe |

Mitte. Das erst 1998 fertiggestellte Gebäude in der Rosenthaler Straße 43–45 soll schon wieder weg. Die neuen Eigentümer haben Pläne, die Seniorenresidenz abzureißen.

„Pro Seniore Residenz Vis à vis der Hackeschen Höfe“ heißt das Seniorenheim der Firma Pro Seniore. Mit über 100 Häusern (acht in Berlin) ist die Firma deutschlandweit der zweitgrößte Betreiber von Seniorenpflegeinrichtungen. Konzernsprecher Peter Müller wusste bisher noch nichts von Plänen, dass das Haus am Hackeschen Markt abgerissen werden soll: nach nur 18 Jahren! Wie Tanja Lier, Chefin vom Stadtentwicklungsamt bestätigt, liegt dem Bezirksamt seit Dezember ein Bauvorbescheidsantrag zur Errichtung von drei Wohn- und Geschäftshäusern vor. Das Haus ist verkauft worden.

Der neue Besitzer hat die Architekten vom Büro nps tchoban voss mit ersten Planungen beauftragt. Nach den eingereichten Skizzen plant der Investor, den die Architekten derzeit noch nicht nennen wollen, einen Neubau für Geschäfte, Büros und Wohnungen. Die Hälfte der neuen Gebäude soll für Läden und Boutiquen zur Verfügung stehen. Dazu kommen zehn Prozent für Büros und 40 Prozent Wohnungen. Derzeit gibt es nur im Erdgeschoss mit Supermarkt, Drogerie, Boutiquen und Gastronomie Gewerbe.

Das Gebiet rund um den Hackeschen Markt ist Hochpreisgebiet. Modelabel zahlen in der Rosenthaler Straße für ihre Flagship Stores bis zu 100 Euro Miete pro Quadratmeter. Wie Architekt Karsten Waldschmidt vom beauftragten Architektenbüro sagt, sei das Gebäude „vollkommen unwirtschaftlich“. Soll heißen, mit einem schicken Geschäftshaus und Eigentumswohnungen lässt sich mehr Profit machen.

Peter Müller von der Unternehmensgruppe Pro Seniore macht sich derzeit „ernsthaft keine Sorgen.“ Die 233 Plätze – betreutes Wohnen und stationäre Pflege – seien ausgebucht. „Wir haben einen ungekündigten Mietvertrag, der noch ein paar Jahre läuft“, so Müller. 40 Prozent Wohnen könne auch bedeuten, dass wieder Seniorenwohnungen entstehen. Ein Umzug während der Bauzeit wäre für den Pro Seniore-Sprecher auch kein Problem. Der Altenpflegekonzern saniert derzeit sein Haus in der Genthiner Straße. Etliche Bewohner sind für die Zeit von dort in das Pflegeheim am Hackeschen Markt umgezogen. „Wir finden für die Leute immer eine Lösung“, so Müller.

Einen Bauantrag haben die Investoren noch nicht eingereicht. Wie die Redaktion der Berliner Woche aus der nichtöffentlichen Sitzung des Bauausschusses erfahren hat, soll die bezirkliche Baubehörde keine Bedenken sehen, für das Projekt einen Bauvorbescheid zu erteilen. DJ
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