Sperranlagen am Spreeufer sollen einbezogen werden

Auch eine Aussichtsplattform für DDR-Grenzer ist am Spreeufer noch erhalten. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Am Holzufer zwischen Schillingbrücke und Michaelkirchstraße sind noch zahlreiche Relikte der DDR-Grenzanlagen erhalten. Damit sie beim Bau des neuen Uferweges nicht abgerissen werden, sollen sie in ein Gedenkkonzept integriert werden.

Ein Wasserbunker für drei DDR-Grenzboote, Postenweg, Hinterlandsicherungszaun mit Stacheldraht, ein Beobachtungsposten für Grenzsoldaten, Treppenanlagen oder verschiedene Lampen - am Uferstreifen hinter der Eisfabrik gibt es noch zahlreiche Zeugnisse der tief gestaffelten Vorfeldsicherung und Hinterlandmauer. Eberhard Elfert befürchtet, dass diese Elemente mit dem Bau des neuen Uferweges abgerissen werden. Denn im Bebauungsplanentwurf "Holzufer" sind die Mauerreste nicht enthalten. In dem im Juli vorgestellten Entwurf heißt es, dass sich in dem Bereich kein Baudenkmal befindet. Hinter der Eisfabrik, wo noch Teile der Hinterlandmauer stehen, ist eine Zufahrtsstraße geplant. "Die Mauer müsste nach diesen Plänen abgerissen werden", sagt Elfert. Sie stehe aber seit 2005 unter Denkmalschutz. Auch in einer Machbarkeitsstudie für die öffentliche Spreeuferpromenade sind die Grenzanlagenreste nicht erwähnt. Elfert hat deshalb Einspruch gegen den B-Planentwurf eingelegt. Bevor auch nur ein Bagger anrückt, müssen alle noch vorhandenen Grenzelemente dokumentiert werden, fordert er.

Die Grünen in der BVV unterstützen den Vorstoß. Ein entsprechender Antrag wurde auf der Septembersitzung der BVV vorerst in den Kultur- und Bauausschuss überwiesen. "Die Denkmalschutzaspekte und insbesondere die noch bestehenden Teile von Anlagen der ehemaligen Berliner Mauer wurden sträflich vernachlässigt", heißt es darin. Das Bezirksamt solle ein Gutachten zu allen Mauerresten erstellen und ein Konzept erarbeiten, wie man den Spreeuferweg als weiteren dezentralen Ort in das Gedenkstättenkonzept der Berliner Mauer einbinden kann.

Eberhard Elfert kennt sich aus mit der Mauergeschichte. Der Historiker und Kulturmanager macht regelmäßig Führungen entlang der ehemaligen Grenze. Anfang der 1990-er Jahre war Elfert maßgeblich am Projekt zur Markierung des Mauerverlaufs als doppelläufige Kopfsteinpflasterreihe beteiligt. "Seit Jahrzehnten setze ich mich für einen behutsamen Umgang mit den Zeugnissen der Geschichte, wie zum Beispiel unterirdische Bauwerke oder Denkmale der DDR, ein", so Elfert.

Wie es aussieht, sind jetzt auch die Behörden auf die Denkmalproblematik aufmerksam geworden. Das Bezirksamt will jetzt alle Mauerreste erfassen lassen. Die Bürger sollen am Verfahren zum Spreeuferweg mit Workshops und am Freiraumwettbewerb beteiligt werden. In einem zukünftigen Mauergedenkkonzept am Spreeufer will Elfert auch die letzten 25 Jahre mit aufnehmen. Hier gab es viele Jahre die Clubs Planet, Bar 25 oder Kiki Blofeld. Derzeit gibt es neben der Eisfabik noch das Tee Pee Land - ein noch geduldetes Zeltdorf. Die Bewohner verstehen es als Kulturprojekt. All die Projekte von Besetzern und Zwischennutzern will Elfert in sein Uferkonzept integrieren. Einen "Erinnerngsort für die Mauer und die Technokultur" nennt er das.


Dirk Jericho / DJ
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