Vermüllte Parks, kaputte Wege: Grünflächenamt hat kein Geld mehr

Der Monbijoupark nach einer lauen Sommernacht. Das Grünflächenamt schafft die Reinigungen nicht mehr. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) ist pleite, sagt der Chef Harald Büttner. Die Folge: dreckige Parks, kaputte Gehwege, gesperrte Spielplätze.

150 00 Euro musste der Bezirk gerade ausgeben, um die bei einer Flüchtlingsdemo zerstörte Reichstagswiese, die zuvor gerade für 45 000 Euro saniert wurde, zu reparieren. „Für den Rest des Jahres haben wir jetzt noch 60 000 Euro, um 850 Hektar Grünflächen, Straßenbäume oder Spiel- und Sportplätze zu pflegen“, so Harald Büttner. Das Geld ist im August alle, die Reinigungsleistungen werden weiter heruntergefahren. „This is the end. Wir sind pleite!“, sendet Büttner mit Ausrufezeichen einen Hilferuf. Das SGA hat in diesem Jahr einen Etat für die Grünflächenunterhaltung von 1,2 Millionen Euro bekommen. Bisher waren es jährlich etwa 2,5 Millionen Euro jährlich. Der Grund: Das Bezirksamt nutzt die vom Senat im Globalhaushalt zugewiesenen Grün-Gelder, „um Defizite im Bereich Schulen und Soziales auszugleichen“, ärgert sich Mittes oberster Gärtner.

Weil im vergangenen Jahr 40 Gartenarbeiterstellen gestrichen wurden, gab es 700 000 Euro für Fremdvergaben. Dieser Etat ist 2015 auch Geschichte; in diesem Jahr konnte keine einzige Firma mit Reinigungsleistungen beauftragt werden. Das SGA versucht, die Pflege mit der eigenen, reduzierten Mannschaft zu stemmen. Wochenendreinigungen in den Grünanlagen gibt es schon lange nicht mehr. Aber zumindest habe es das SGA bisher geschafft, montags wieder klar Schiff in den Parks zu machen, so Büttner. Jetzt sehen manche Grünanlagen sogar mittwochs noch aus wie ein Schlachtfeld.

Für Baumaßnahmen oder Reparaturen hat das Grünflächenamt gar kein Geld mehr. So können zum Beispiel die völlig maroden Gehwege im Schillerpark nicht repariert, defekte Leuchten im Tiergarten nicht ersetzt oder kaputte Geräte auf Spielplätzen nicht mehr erneuert werden. Büttner geht davon aus, dass er demnächst die ersten Spielplätze sperren muss, weil kaputte Schaukeln nicht mehr repariert werden.

Die Folge der Sparpolitik ist Frust bei den Mitarbeitern. Der Krankenstand ist so hoch wie nie. „In einem Revier fehlt jeder zweite Mitarbeiter“, so Harald Büttner. Wenn hoch qualifizierte Gärtner nur noch zum Müllwegräumen rausgeschickt werden, „ist die Motivation weg“, glaubt der SGA-Chef. Über ein Berliner Phänomen freut sich der Amtsleiter hingegen: In den Parks sind täglich Dutzende Flaschensammler unterwegs, die das Leergut einsammeln, bevor es zu Bruch geht. „Die Flaschensammler retten uns den Allerwertesten“, so Büttner. „Ohne sie wäre der Lustgarten mit Flaschen übersät und würde aussehen wie eine Altglasdeponie.“ DJ
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Helmar Lux aus Reinickendorf | 09.08.2015 | 09:13  
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