Elternvertreter fordern mehr Lehrer

An den Schulen im Bezirk Mitte fielen im vergangenen Schuljahr jede Woche 840 Stunden Unterricht aus. (Foto: BW)

Mitte. An Mittes 54 Schulen sind im Schuljahr 2012/13 laut Unterrichtsausfallstatistik der Senatsbildungsverwaltung 1,8 Prozent Stunden ersatzlos ausgefallen. Damit liegt Mitte noch unter dem berlinweiten Durchschnitt von 2,1 Prozent. Von den 10,3 Prozent der Unterrichtsstunden, für die in Mitte Ersatz benötigt wurde, konnten 8,5 Prozent vertreten werden.

Wie dramatisch die Situation dennoch ist, zeigen die absoluten Zahlen. 1,8 Prozent Unterrichtsausfall bedeuten 840 Unterrichtsstunden pro Woche. Die Statistik sagt dabei nichts über die Qualität der Vertretung aus. Eine vakante Mathestunde wird in den seltensten Fällen von Fachlehrern vertreten.

Die vom Senat betonte 100-prozentige Lehrerausstattung ist für Holger Kulick, Gesamtelternsprecher der Papageno-Grundschule in Mitte, "eine Mogelpackung." Sobald ein Kollege fehlt - weil er krank oder zum Beispiel auf Klassenfahrt ist - "gibt es einen Dominoeffekt, der viele Klassen beeinträchtigt", so Kulick. So werden zum Beispiel Lehrer aus dem Teilungsunterricht der jahrgangsübergreifenden Klassen abgezogen, um woanders die Löcher zu stopfen. Die Kollegen fehlen dann natürlich in den JÜL-Klassen. Ein anderes Beispiel ist der Integrationsunterricht, bei dem sich ein Lehrer eigentlich speziell um einen Schüler kümmern soll. In der Papageno-Schule fällt dieser manchmal über Wochen aus, weil Vertretungen anstehen.

Über die Runden rettet sich die Schule durch sogenannte PKB-Mittel (Personalkostenbudgetierung). Um den Unterrichtsausfall einzudämmen, stellt die Senatsverwaltung drei Prozent der Gelder für die Personalausstattung zusätzlich zur Verfügung. Die Schulen können aus diesem Topf Honorarkräfte bezahlen. Das Geld ist eigentlich für den Notfall gedacht und soll ansonsten für Projekte wie zum Beispiel Englisch-AGs verwendet werden. Der Notfall, sprich Unterrichtsausfall, ist aber der Normalfall. In der Papageno-Schule sind die PKB-Gelder jede Woche fest eingeplant. Zwei Lehramtsstudenten stehen fest im Vertretungsplan und kommen mehrere Tage pro Woche vor ihren Nachmittagsvorlesungen an der Uni vorbei, um sich etwas dazu zu verdienen. Zum Glück für die Kinder, die dann nicht nur mit Malen oder Basteln beschäftigt werden müssen.

An den Schulen mit hohem Migrantenanteil wie in Wedding oder Moabit ist der Personalschlüssel besser. Schulen mit mindestens 40 Prozent Schülern nichtdeutscher Herkunft, so der Amtsterminus, bekommen auch Extragelder für die Ausstattung. Die Schulleiterin der Heinrich-Seidel-Grundschule wollte sich zum Thema Unterrichtsausfall nicht äußern. Zu groß ist wohl die Angst vor der Schulaufsicht, glaubt Holger Kulick. Er fordert "115 Prozent Lehrerausstattung als absolutes Muss." Von einem festen Kader mit etwa 20 Lehrern seien immer rund zwei krank und einer auf Klassenfahrt. Und zu dem Personalchaos "und der ständigen Unterversorgung", so Kulick, kommen auch noch Dinge, die Eltern nun wirklich nicht mehr verstehen können. Eine Lehrerin an der Papageno-Schule musste mitten im Schuljahr am 1. April in Pension gehen. Sie selbst wollte das Schuljahr noch beenden. Doch der Behörde war plötzlich aufgefallen, dass die Kollegin etliche Stunden auf ihrem Arbeitszeitkonto angespart hatte. Um die nicht auszuzahlen, wurde dann zurück gerechnet und die Verabschiedung in den Ruhestand vorgezogen.


Dirk Jericho / DJ
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