Mumien im Menschen Museum

Wann? 01.11.2016 bis 26.02.2017

Wo? Menschen Museum, Panoramastraße 1A, 10178 Berlin DE
Künstlerische Mumien-Collagen von Nancy Torres sind ab 1. November im Menschen Museum. Diese heißt Fanacuaipa - der Fliegende. (Foto: Nancy Torres)
 
Kilja - das Mondscheinmädchen in der Ausstellung Mumienglanz. (Foto: Nancy Torres)
Berlin: Menschen Museum |

Mitte. „Mumienglanz“ heißt die Ausstellung mit Stoffskulpturen der kubanischen Künstlerin Nancy Torres, die am 1. November im umstrittenen Menschen Museum im Sockelbau des Fernsehturms eröffnet wird.

„Im Menschen Museum ziehen die Mumien ein!“ heißt es in der Einladung zur neuen Sonderausstellung in der umstrittenen Leichen-Show von Plastinator Gunther von Hagens. Doch bei den Mumien handelt es sich nicht um echte Verstorbene, sondern um „farbenprächtige Objekte, Assemblagen und Stoffskulpturen“ der kubanischen Künstlerin Nancy Torres. Mit ihrer Ausstellung „Mumienglanz – Begegnung mit der Kultur der Inka“ lässt sie die südamerikanische Inka-Kultur und ihre Schätze wieder auferstehen, heißt es.

Nancy Torres folgt mit ihrer Ausstellung den Spuren des indianischen Glaubens vom Weiterleben des Körpers nach dem Tod und schlägt den Bogen in die Gegenwart. Während die Mumifizierer im 15. Jahrhundert den verstorbenen Würdenträgern im Inkareich Goldschmuck, Gebrauchsgegenstände und Nahrungsmittel für das Weiterleben im Totenreich mitgaben, entquellen den Bäuchen der acht ausgestellten künstlerischen Assemblagen von Nancy Torres Gegenstände aus der modernen Lebenswelt. Gezeigt werden unter anderem großformatige Objektkollagen, sogenannte künstlerische Autopsien, angefertigt aus Textilien, Glas, Holz und Metall in den Farben der Inkakultur.

„Die Ausstellung ist eine spannende und außergewöhnliche Auseinandersetzung mit Leben und Tod einer anderen Zivilisation und gleichzeitig ein Plädoyer zur Pflege des Verständnisses für die Universalität jeglicher menschlicher Kultur, das heute aktueller ist denn je“, so Torres.

Die Mumienglanz-Serie wurde erstmals 2013 in der Botschaft der Republik Peru in Berlin gezeigt. Die Ausstellung war auch schon in Havanna (Kuba) und und Lima (Peru) zu sehen. Während der Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm mit Vorträgen von Mumienexperten und Philosophen. Die Vorträge sind kostenfrei und finden im Foyer des Menschen Museums statt. So referiert Anna-Maria Begerock, Direktorin der Abteilung Andine Archäologie am wissenschaftlichen Mumienforschungsinstitut IECIM in Madrid, am 2. Dezember um 19 Uhr zum Beispiel zum Thema „Mumien als Quelle der Inspiration für Künstler“.

Mit der Mumienausstellung wollen die Betreiber des Menschen Museums natürlich auch dafür werben, dass es kein Tabu- und Rechtsbruch ist, tote Körper auszustellen. Unter dem Titel „Gruselleichen, Heilige und Plastinate. Dürfen Tote sichtbar sein?“ geht Philosophieprofessor Franz Josef Wetz von der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd am 18. November um 19 Uhr unter anderem der Frage nach, wer das Recht dazu erteilen darf, dass die Menschen tote Körper im öffentlichen Raum sehen dürfen. Wetz ist Befürworter der Körperwelten-Ausstellungen.

Wie berichtet, versucht der Bezirk Mitte das im Februar 2015 eröffnete Menschen Museum zu verbieten. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte im Berufungsverfahren Ende 2015 die Auffassung des Bezirkes bestätigt, wonach die Leichenschau gegen das Bestattungsgesetz verstößt. Die Schließungsverfügung von August lief jedoch ins Leere, weil jetzt nicht mehr die Firma Arts & Sciences Berlin Betreiber des Menschen Museums ist, sondern das Heidelberger Institut für Plastination von Leichen-Plastinator Gunther von Hagens. Und ein anatomisches Institut brauche keine Genehmigung für die Ausstellung menschlicher Präparate, argumentieren die Ausstellungsmacher. DJ

Die Ausstellung „Mumienglanz – Begegnung mit der Kultur der Inka“ ist vom 1. November bis 26. Februar 2017 im Foyer des Menschen Museums zu sehen. Der Besuch ist im Eintrittspreis für das Museum inbegriffen. Die Vorträge sind kostenfrei. Informationen im Internet unter http://www.memu.berlin
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