Schulschwänzen soll in Berlin schwerer werden

Berlin. Nach fünf statt bisher zehn Tagen sollen Schulschwänzer künftig mit einer Anzeige rechnen müssen. Schulaufsicht, Jugendamt und ein Schulpsychologe werden informiert, zudem droht ein Bußgeldverfahren.

Das Abgeordnetenhaus hat Mitte Januar einen entsprechenden Beschluss gefasst. Es will erreichen, dass die Zahl der Schüler sinkt, die über längere Zeit unentschuldigt fehlen. Denn die Zahl der Schwänzer steigt seit Jahren. Allein in der ersten Hälfte des vergangenen Schuljahres haben 21.400 Schüler unentschuldigt gefehlt, das ist jeder fünfte. 17.800 davon sind bis zu zehn Tage dem Unterricht ferngeblieben, über 3500 noch länger. So steht es im Antrag von SPD und CDU für eine Gesetzesänderung.

Die Abgeordneten wollen die Zeit verkürzen, bis sich die Behörden einschalten. Zuvor sollen die Schulen aktiv werden. Der Beschluss sieht vor, dass Lehrer künftig verpflichtet sind, sich bereits am ersten unentschuldigten Fehltag bei den Eltern zu melden. Zwar sollte das bereits jetzt geschehen, die Praxis sieht jedoch anders aus.

Das weiß auch Lieselotte Stockhausen-Doering, die Vorsitzende des Landeselternausschusses. "Viele Eltern erfahren nicht, dass ihre Kinder so lange in der Schule fehlen, geschweige denn, dass es Probleme gibt", sagt sie und fordert mehr Prävention statt Bußgeld. "Ein bisschen Druck muss sein, aber der Senat muss auch dafür sorgen, dass die Lehrer mehr Zeit für die Schüler haben."

Aus ihrer Sicht fehle der Kontakt zwischen Lehrern und Eltern, die sich gemeinsam frühzeitig darum kümmern müssten, wenn ein Schüler einen Durchhänger hat. Helfen könnte auch der Einsatz von mehr Schulsozialarbeitern, die es bislang aber nur an einzelnen Schulen gibt. Mehr Personal bedeutet allerdings auch höhere Kosten. "Investitionen sind dringend nötig", so Stockhausen-Doering.


Jana Tashina Wörrle / jtw
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