T-Rex Tristan und seine Fangemeinde

Professor Johannes Vogel, Direktor des Naturkundemuseums, mit Tristans Unterkieferknochen. Foto: Dirk Jericho
Berlin: Naturkundemuseum |

Mitte. Das ist schon einzigartig: Im Naturkundemuseum ist jetzt der zirka 1,50 m lange Schädel von Raubsaurier Tristan aus den USA eingetroffen. Die restlichen insgesamt rund 200 Originalknochen kommen in den nächsten Monaten. Die Berliner Woche hat in der Invalidenstraße 43 schon einmal einen Blick auf den Riesenfund geworfen.

Am Tag schiebt Dr. Patrick Asbach Patienten zur Untersuchung in den Hightech-Computertomographen (CT) der Charité an der Luisenstraße. Doch nachts und am Wochenende hat der Radiologe eine Mission. Als Mitglied des Forschungsteams „Tristan“ scannt und analysiert er die 66 Millionen Jahre alten Knochen des gleichnamigen Superdinos, der ab Dezember für drei Jahre in einer Sonderausstellung gezeigt wird.

Am 13. Juli hat Museumsdirektor Johannes Vogel mit viel Brimborium vor Journalisten schon mal die Kisten geöffnet, in denen die 50 Schädelknochen des Beißmonsters liegen. Allein der Unterkiefer des „wunderbaren Biestes“, wie Vogel schwärmt, bringt 15 Kilogramm auf die Waage.

Die Paläontologen und Ausstellungsmacher des Naturkundemuseums sind begeistert über T-Rex Tristan Otto, wie ihn sein Besitzer getauft hat. Das Skelett des 2012 in Montana gefundenen Raubsauriers ist zu 98 Prozent intakt. Der Zwölf-Meter-Riese ist damit weltweit der besterhaltene T-Rex. 50 Funde gibt es bislang.

Der amerikanische Fernsehsender CNN hat das Museum für Naturkunde Berlin vor wenigen Wochen zum besten Dinosauriermuseum der Welt gekürt. Auch ein Grund, warum Tristan in diesen Ausstellungsräumen zu sehen sein wird. Denn der Besitzer Niels Nielsen (39), ein dänischer Geschäftsmann und in London lebender Multimillionär, hat seinen T-Rex den Berlinern angeboten, weil Fachleute dem Dino-besitzer die Wissenschaftler empfohlen hatten. Paläontologe Dr. Oliver Hampe ist im Februar nach Sunbury in Pennsylvania geflogen, um das Angebot zu prüfen. Was er in der privaten Präparationswerkstatt sah, hat den Experten umgehauen. „Wir waren überwältigt vom guten Zustand der Knochen.“ Seitdem sind im Museum alle im Tristan-Fieber. Der Fleischfresser wird der große Star, wenn das Skelett zusammengesetzt ist.

Die Wissenschaftler werden zu Forschungszwecken immer wieder Teile entnehmen. Sie wollen herauskriegen, wie alt Tristan genau war, woran er gestorben ist oder wie schnell er laufen konnte. Ein Grabungsteam ist dafür zur Fundstelle in die USA gefahren, um weiteres Material aus seiner Lebensumwelt zu sammeln. Ganz gesund war Tristan wohl nicht. Der Star, der vielen aus dem Film Jurassic Park bekannt sein dürfte, hatte vermutlich einen Knochentumor, kaputte Zahnwurzeln und verheilte Bissverletzungen.

Der Tyrannosaurus rex ist der erste originale T-Rex in Europa. Der T-Rex soll etwa zehn Millionen Euro wert sein. Die Versicherung der Knochen kostet jährlich 10 000 Euro, die Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) bezahlt. DJ
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