Wissenschaftler forschen in neuen Sicherheitslaboren auf dem Campus Nord

Geschwungene Fassaden, grüne Metallpaneelen. Uni-intern heißt das Laborgebäude „grüne Amöbe“. (Foto: Dirk Jericho)
 
Geschwungene Formen: Biologen erinnert das an Zellstrukturen. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: HU-Forschungs- und Laborgebäude |

Mitte. Ab Sommer arbeiten Mikrobiologen, Zellforscher und Pflanzengenetiker im neuen Laborgebäude der Humboldt-Universität (HU). Den Neubau an der Hannoverschen Straße Ecke Philippstraße nennen die Wissenschaftler wegen Form und Farbe „grüne Amöbe“.

Die 80 Hightech-Labore sind ausgestattet mit Augenduschen, Dekontaminierungsanlagen und Schleusen. Die Wissenschaftler tragen Schutzbrillen und Handschuhe, wenn sie mit ihren Proben hantieren. Es ist nicht ungefährlich, was die Spezialisten der Lebenswissenschaften vom HU-Institut für Biologie hier am Fuße des Charité-Bettenhauses machen. Professorin Regine Hengge zieht schon im März mit ihrem Team von der Chausseestraße 117 in den gläsernen Forschungstempel. Die Mikrobiologin forscht mit pathogenen Ecoli-Bakterien. Der aggressive Lebensmittelkeim hatte 2011 in Deutschland eine EHEC-Epidemie ausgelöst, an der 53 Menschen starben. Hengge will herausfinden, wie Zellen funktionieren. Die Ergebnisse sind zum Beispiel wichtig für die Infektionsforschung. Die Professorin leitet ein Team mit 20 Mitarbeitern. Insgesamt sechs Professoren mit gleicher Mannschaftsstärke dirigieren ihre Forscher an den Labortischen: Zellbiologen, Mikrobiologen und Pflanzengenetiker. Im Auftrag der Wissenschaft werden in den Laboren auch Gene in Organismen verändert. Es gibt spezielle Isotopenlabore für radioaktives Arbeiten und einen Raum für Massenspektrospopie, in dem gefährliche Gase zum Einsatz kommen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher betonte beim Rundgang kurz vor der Inbetriebnahme das „schöne Gebäude und die herausragende Architektur“; und dass der 2013 begonnene Bau im Zeit- und Kostenrahmen liegt. Insgesamt 33,8 Millionen Euro kostet der Labortempel inklusive den benachbarten, denkmalgeschützten Backsteingebäuden, die aufwendig saniert wurden. Im Altbauhaus 9 direkt neben dem Laborneubau – einst Pferdestall der königlich-preußischen Veterinärakademie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts – werden Seminar- und Praktikumsräume für Studenten untergebracht.

Die Stuttgarter Architekten vom Büro Bodamer Faber hatten für das Laborgebäude einen internationalen Architektenwettbewerb gewonnen. Wegen der geschwungenen Form mit runden Fassaden und dem umlaufenden Band aus grün-silbernen Aluminiumplatten haben die HU-Wissenschaftler es „grüne Amöbe“ getauft. Architekt Hansjörg Bodamer hatte gar nicht die Assoziation, als er die runden Lichtlöcher im Atrium und die geschwungenen Balustraden entwarf. Für Biologen sind das zellähnliche Formen, die sie ständig unterm Mikroskop sehen. Offiziell heißt das 17 Meter hohe Laborgebäude am nördlichen Rand des Campus’ der Humboldt-Universität mit den zahlreichen Backsteingebäuden, für das ein nicht denkmalgeschütztes Unigebäude aus den 1950er-Jahren abgerissen werden musste, Rhoda-Erdmann-Haus. Der Vorschlag, das Gebäude nach der deutschen Zellbiologin (1870-1935) zu benennen, kam von Prof. Regine Hengge. Auch deshalb freut sie sich besonders auf ihren neuen Arbeitsplatz. „Und den tollen Blick aus meinem Bürofenster auf den grünen Hof“, so die Forscherin. Noch ist das Areal schlammige Baustelle. Ab Sommer erholen sich hier Studenten. DJ
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