Kunstinstallation „Readywaste“ thematisiert sexuellen Kindesmissbrauch

Wann? 01.08.2016 bis 25.08.2016

Wo? Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, 10178 Berlin DE
Der Künstler Costantino Ciervo will mit seiner Installation aus geschredderten Kinderpornos auf das Massenphänomen aufmerksam machen. (Foto: Dirk Jericho)
 
Professor Klaus M. Beier und der Künstler Costantino Ciervo bei der Vorstellung des Projektes „Readywaste“. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Volksbühne |

Mitte. Bis zum 25. August ist im gläsernen Pavillon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz die Installation „Readywaste“ des Künstlers Costantino Ciervo zu sehen. Die geschredderten Datenträger mit Kinderpornos und Bildern sexuellen Kindesmissbrauchs sollen das enorm gestiegene Ausmaß zeigen.

Es ist ein symbolischer Haufen Datenmüll, in dem viel Leid und seelische Grausamkeit stecken. Der Künstler Costantino Ciervo hat eine Tonne geschredderte CDs und DVDs mit abscheulichen Aufnahmen zu einem Berg aufgetürmt. Tausende solcher vernichteten Datenträger hat er vom Charité-Präventionsprojekt „Dunkelfeld“ und „Kein Täter werden“ bekommen.

Störung in den Griff bekommen

Seit 2005 versuchen Psychologen in dem Präventionsprojekt Pädophile dazu zu bringen, ihre psychische Störung in den Griff zu bekommen. Zur Therapie der Patienten, die anonym und freiwillig zu den Charité-Ärzten kommen, gehört, dass sie als Zeichen des Neuanfangs ihre gespeicherten Missbrauchsabbildungen, wie Experten die Aufnahmen nennen, vernichten. „Daraus entstand die Idee, die geschredderten Schnipsel der Datenträger für eine Installation zu verwenden, um einerseits auf das gewaltige Ausmaß von Abbildungen sexuellen Kindesmissbrauchs im Netz aufmerksam zu machen, und andererseits zu zeigen, dass es effektive Hilfen gibt, um die Nutzung von Missbrauchsabbildungen zu stoppen“, sagt Professor Klaus M. Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité und Leiter des Berliner Standorts des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“. Mit Therapiesitzungen und Medikamenten wollen die Mediziner bei Menschen mit einer solchen Prädisposition den Konsum von Missbrauchsabbildungen verhindern.

Konsumenten werden jünger

Für die Therapeuten ein harter Job, denn jeder zweite Patient, der sich dem Charité-Team offenbart, hat bereits selbst Kinder missbraucht. Und wegen der ärztlichen Schweigepflicht droht dafür keine strafrechtliche Verfolgung. Es geht darum, weitere Übergriffe zu verhindern. 75 Prozent der betreuten Patienten haben bereits Kinderpornos aus dem Netz geladen, um ihre sexuellen Neigungen zu befriedigen. 1000, fast ausschließlich Männer, sind im Berliner „Dunkelfeld“-Projekt diagnostisch erfasst, momentan 500 in Behandlung. Nicht viel, bei geschätzten 250 000 Menschen mit pädophilen Neigungen in Deutschland.

Charité-Untersuchungen haben ergeben, dass die Konsumenten dieser Bilder immer jünger werden und illegale Kinderpornos schon als 13-Jährige tauschen. Deshalb beschäftigt sich das fünfköpfige Charité-Team seit zwei Jahren auch verstärkt mit Jugendlichen. „Hinter jedem Bild steckt ein realer Missbrauch, eine zerstörte Seele“, sagt Costantino Ciervo, der selbst eine 13-jährige Tochter hat. Er will sich mit dem Kunstprojekt dafür engagieren, dass dieses Thema stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft kommt.

Der Missbrauch endet nie

„Der sexuelle Missbrauch endet für die Betroffenen nie“, so Julia von Weiler vom Hilfsverein Innocence in Danger. Sie erzählte von einer 24-jährigen Frau, die als Achtjährige missbraucht wurde und deren Bilder und Filme in der Pädophilenszene Kultcharakter haben. Als sie sich jetzt bei Facebook angemeldet hat, wurde sie wiedererkannt und bekam Drohungen. Mittlerweile ist sie im Zeugenschutzprogramm. „Ein normales Leben mit Whatsapp und sozialen Medien ist nicht möglich“, so von Weiler.

Kinderpornografie und Handel mit Missbrauchsaufnahmen haben international „immens zugenommen“, sagte Mechtild Maurer vom Kinderrechtsnetzwerk ECPAT. Die Ermittlungsbehörden haben viel zu wenig Personal, um dieses globale Problem in den Griff zu bekommen. Hatte das Bundeskriminalamt 1995 noch in 500 Fällen von Kinderpornografie ermittelt, waren es 2014 bereits 8000 Fälle. Laut "Innocence in Danger" sind 81 Prozent der Opfer Kinder unter zehn Jahren, drei Prozent sind jünger als zwei Jahre. 2013 waren über 13 000 Internetseiten weltweit online. „Ein Riesendesaster“ ist laut Mechtild Maurer, dass die wenigstens Opfer identifiziert werden können. DJ
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Helmar Lux aus Reinickendorf | 17.08.2016 | 22:19  
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