Aerial Yoga verleiht ein Gefühl der Schwerelosigkeit

Einen entspannenden und die Wirbelsäule entlastenden Kopfstand bekommen beim Aerial Yoga dank des Tuches auch Anfänger recht schnell hin. (Foto: Marius Becker)

Schwerelosigkeit ist ein alter Menschheitstraum. Manch einer versucht, ihm beim Tauchen näher zu kommen - das Wasser trägt das Körpergewicht und verleiht ein Gefühl von Leichtigkeit. Doch auch im Trockenen können Sportinteressierte der Schwerkraft ein kleines Schnippchen schlagen. Aerial Yoga lautet das Zauberwort.

Es ist eine Mischung aus Turnübungen, Luftakrobatik und eben Yoga. Die Teilnehmer trainieren dabei mit einem drei Meter breiten, schaukelartig an der Decke befestigten Tuch aus dünnem Nylon - nicht in luftiger Höhe, aber immerhin ein paar Zentimeter über dem Boden. Darin können auch Anfänger kopfüber in der Luft hängen, was sonst nur geübte Yogis am Boden hinbekommen.Die Sportler schwingen, hängen, kreiseln, drehen und dehnen sich mit und im Tuch. "Zentrales Thema sind Umkehrpositionen", sagt Björn Heucke, der Aerial Yoga in Berlin anbietet. Der Kopfstand solle alle Organe aus ihrer gewohnten Lage befreien und so den ganzen Menschen entspannen und umkrempeln.

Die Grundidee ist nicht neu: "Man kennt diese Art aus dem medizinischen beziehungsweise therapeutischen Yoga in Indien", erklärt die Yoga-Expertin Uschi Moriabadi von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. "Dort werden die Menschen mit Seilen in Position gebracht."

Wenn man die sportliche Seite betrachte, stelle man fest, dass ohne den Bodenkontakt bei den Übungen viel mehr Muskulatur dabei ist, die arbeiten muss, sagt sie. Um sich im Tuch zu halten, würden die Muskeln im Rumpf extrem gefordert. Das sei gut für die Wirbelsäule und deren Aufrichtung sowie die Haltung insgesamt.

Auch Prof. Herbert Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention kann dem Konzept einiges abgewinnen. "Es hat den Vorteil, dass die Schwerkraft zum Teil aufgehoben ist", sagt der Sportarzt, der die europäischen Astronauten medizinisch betreut und durch Parabelflüge selbst das Gefühl kurzzeitiger Schwerelosigkeit kennt. "Die Belastung auf Hüfte und Kniegelenke ist geringer als ohne Tuch."

Doch nicht für jeden ist Aerial Yoga geeignet: "Das Kopfüberhängen ist zumindest für Ungeübte mit einem Risiko verbunden", erläutert Löllgen. Denn dabei verlagerten sich bis zu zwei Liter Blut vom Unterkörper in den Kopf. Das könne den Kreislauf belasten, zu Sehstörungen und bei Menschen mit Bluthochdruck sogar zum Schlaganfall führen. Bei einer Herzschwäche sei ein Lungenödem möglich. Der Mediziner empfiehlt Interessierten daher, sich vor der ersten Stunde vom Arzt durchchecken zu lassen. Und sie sollten nicht mit Gewalt oder gegen den Gelenkwiderstand versuchen, die gewünschte Position im oder mit dem Tuch einzunehmen.

Weitere Informationen unter http://aerialyoga-berlin.de/.

dpa-Magazin / mag
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