Mit Pilates zu einem neuen Körpergefühl

Jeder Muskel und jedes Gelenk wird benutzt: Pilates ist ein Ganzkörpertraining, das die Teilnehmer von Kopf bis Fuß kräftigt. (Foto: Jens Schierenbeck)

Die Muskeln dehnen, den Körper kräftigen, sich besser fühlen und dabei geistig abschalten: Wer diese Ansprüche an einen Sport stellt, sollte es mal mit Pilates versuchen.

Das Training verbinde Bewegung mit Kraft, Atmung mit Wahrnehmung, Haltung mit Beweglichkeit, Anspannung mit Entspannung, wie Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband erklärt. Pilates sei in seiner Wirkung eine Mischung aus Yoga, Atemtherapie, Krafttraining und Entspannung. "Pilates ist eine ganzkörperliche Betätigungsart, bei der jeder Muskel und jedes Gelenk benutzt werden", ergänzt Kurt Rotter vom Verband der Pilates-Trainer in Medizin und Sport. Die Übungen seien nicht alle neu, aber man mache sie bewusst, so dass Muskeln gekräftigt und entlastet werden.Pilates gehört vor allem in England und in den USA zur Ausbildung an anerkannten Tanzschulen und Hochschulen. "In der medizinischen Reha, wie zum Beispiel nach Sportverletzungen, wird ebenfalls Pilates eingesetzt", sagt Hertel. Teilweise werde es von Ärzten als gerätegestützte Physiotherapie verordnet. Pilates sei besonders geeignet für Sportler, darstellende Künstler wie Tänzer oder Schauspieler sowie Menschen, die unter chronischen, haltungsbedingten Rückenschmerzen leiden.

Allerdings: Der Begriff Pilates ist nicht geschützt. Es gebe auch keine einheitlichen Richtlinien für die Ausbildung, sagt Hertel. "Jeder kann sich Pilates-Trainer oder Pilates-Experte nennen." Rotter rät daher, sich seinen Trainer genau anzuschauen. "Es ist wichtig, dass der- oder diejenige Wissen über Anatomie hat, um Zusammenhänge im Körper besser zu verstehen." Denn nicht jede Übung sei für jeden Menschen geeignet. "Wer zum Beispiel einen flachen Rücken hat, bei wem also die Krümmung des Rückens nicht normal ausgeprägt ist, der sollte in Rückenlage seine Beine nicht stark hoch- und runterbewegen, weil er sonst Gefahr laufen könnte, einen Bandscheibenvorfall zu bekommen."

Gesundheitliche Vorbelastungen, insbesondere Schäden an der Wirbelsäule, müssten sehr ernst genommen werden. "In solchen Fällen würde ich auch dringend davon abraten, sich anhand von Büchern oder Videos die Übungen selbst beizubringen." Wer bei den Trainern sicher gehen will, sucht für professionelle Anleitung einen staatlich anerkannten Physiotherapeuten, der wenigstens 600 Stunden Fortbildung, teils mit Hospitationsstunden, in Pilates absolviert hat.

Außerdem sollte nicht jeder Pilates machen. "Wer unter chronischen oder akuten Erkrankungen leidet, sollte grundsätzlich seinen Arzt um Rat fragen", sagt Hertel. Gefährlich seien unter anderem Entzündungen jeder Art, akute Bandscheibenvorfälle und Osteoporose mit Extremstellungen der Wirbelsäule. Auch wenn jemand einen akuten Infekt oder eine Erkältung hat oder sich sonst unwohl fühlt, sollte kein Pilates-Training durchführen.


dpa-Magazin / mag
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