Nachmessen ist beim Kinderschuhkauf Pflicht

Um die richtige Schuhgröße zu finden, sollten Eltern Schuh und Kinderfuß im Geschäft immer nachmessen lassen. (Foto: Mascha Brichta)

Nachmessen, fühlen, biegen: Beim Kauf von Kinderschuhen lohnt es sich, Hand anzulegen. Denn häufig entspricht die angegebene Schuhgröße nicht der tatsächlichen Innenlänge.

Eltern können sich nicht auf die Größenangaben der Hersteller verlassen, sondern müssen nachmessen. Ob ein Schuh weich ist und die Bewegungen des Kinderfußes mitmacht, merken Mütter und Väter, indem sie die Modelle in die Hand nehmen und biegen.

Die Universität Potsdam fand heraus, dass viele Kinder Schuhe in falschen Größen tragen: Forscher des Instituts für Sportmedizin und Prävention vermaßen zwischen 2006 und 2007 die Füße von rund 11 000 Kindern in Deutschland und der Schweiz und verglichen die Ergebnisse dann mit der Schuhgröße. Das Ergebnis: Neben zu kleinen hatten mehr als 40 Prozent der Jungen und Mädchen zu große Schuhe an.

Eltern greifen offensichtlich häufig zu den falschen Schuhen. Ein wichtiger Grund dafür dürfte sein, dass die angegebenen Schuhgrößen oft nicht mit der tatsächlichen Schuhinnenlänge übereinstimmen. "Wir haben nach wie vor die Situation, dass rund 90 Prozent der Kinderschuhe falsch ausgezeichnet sind", sagt Wieland Kinz, Sportwissenschaftler vom Forschungsteam Kinderfüße-Kinderschuhe in Salzburg.

"Es gibt bei Schuhgrößen keine einheitliche Norm, sagt Annette von Czarnowski vom Deutschen Schuhinstitut in Offenbach. Das heißt: Die angegebene Größe auf einem Schuh ist bestenfalls eine Orientierung. Eltern stehen aber noch vor einem weiteren Problem. Kleinkinder fühlen nicht wie Erwachsene, ob ein Schuh passt. "Das Nervensystem an den Füßen ist noch nicht ausgereift", erklärt Steffen Müller von der Uni Potsdam, der die Kinderfüße vermessen hat.

Zu kurze, aber auch zu große Schuhe schaden dem weichen Kinderfuß. Sie können zu Druck- und Scheuerstellen führen, weil der Fuß hin und her rutscht, warnt Müller. Oder die Kinder krallen bei jedem Schritt, was ermüdet und auf lange Sicht zu Problemen führen kann, ergänzt Kerstin Bosch, die am Sozialpädiatrischen Zentrum Westmünsterland ein Ganglabor leitet.

Müssen neue Schuhe her, sollte der Verkäufer neben dem Kinderfuß auch die Innenlänge der ausgewählten Exemplare messen. Weil sich die Zehen beim Gehen nach vorne schieben, muss vorne ausreichend Platz sein. Das Deutsche Schuhinstitut rät, 12 bis 15 Millimetern dazuzugeben. Laut Wieland Kinz dürfen neue Schuhe sogar bis zu 17 Millimeter länger als der Fuß sein.

Er empfiehlt Eltern, eine Pappschablone zu basteln: Dafür stellen sie das Kind barfuß auf einen Karton, zeichnen den Fußumriss, fügen an den längsten Zeh 17 Millimeter und schneiden einen zwei Finger breiten Streifen aus. Passt der Streifen in den Schuh, ist dieser lang genug.


dpa-Magazin / mag
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