Outdoormode wagt Farbe

Wer hoch hinaufsteigen will, braucht möglichst leichtes Gepäck - daran hat die Outdoorbranche besonders gearbeitet. (Foto: OutDoor Friedrichshafen)

Noch vor einigen Jahren wagten sich höchstens Feldforscher in Khaki-Hosen und Wanderboots auf die Straße. Im Alltag hatte Outdoorkleidung früher nichts zu suchen. Heute gilt sie mehr und mehr als stylish.

Kein Wunder: Sie ist im Laufe der Jahre immer schicker geworden. Neuerdings setzen die Hersteller auf gewagte Naturfarben mit klingenden englischen Namen wie Ice Blue, Bloody Red oder Fruity Pink. Zu sehen war dies kürzlich in Friedrichshafen, wo mehr als 900 Firmen aus 42 Nationen auf der Freizeitmesse Outdoor die Trends der Branche präsentierten.Natürlich sind diese Farben bei Aktivitäten draußen von Vorteil: Man wird darin besser gesehen als in dunklem Grün, nebeligem Grau oder schlichtem Beige, das Wanderer und Kletterer bislang vornehmlich getragen haben. Die fröhlichen Farben zeugen zugleich von einem Wandel, erläutert Mark Held, Geschäftsführer der European Outdoor Group. Die Kleidung sei alltagstauglich geworden.

Zunächst ging es hier nur um die Funktionen. Die Kleidungsstücke sollten auf zugigen Berggipfeln wärmen, kühlen, wenn der Sportler schwitzt, und trocken halten, wenn Regen herabprasselt. Kurzum: Das Wetter soll nicht die Outdoor-Aktivitäten vermiesen. Doch im Alltag hatten die Stücke vor rund 20 Jahren keinen Platz, sagt Held. Daher haben die Outdoorhersteller über die Jahre gelernt, ihre Aufmachung und ihre Kundenansprache so zu verändern, dass ihre Produkte auch stylish und cool rüberkommen. Der letzte Schritt der Annäherung sei eben, gewagte Farben zu verwenden, erklärt der Fachmann.

"Es sind Kleidungsstücke, die jeder Herausforderung am Fels gewachsen sind und dabei lässig aussehen", beschrieb etwa Salewa-Designerin Lisa Sinnegger ihre Entwürfe. Das italienische Unternehmen zeigte auf der Outdoor eine Kletter-Kollektion in trendigen Farben. Und Lena Helmreich, Sprecherin der Bergsportfirma Norrøna aus Norwegen, erklärte zu den modernen Schnitten: "Früher hätte kein Mensch eine Softshelljacke ins Büro angezogen, heute ist das Gang und Gäbe."

Dass Kleidung und Ausrüstung so leicht wie möglich sind, erfüllt ein ebenfalls recht neues Bedürfnis der Sportler. "Outdoor ist alles schon einmal gemacht worden: Der tiefste Dschungel wurde durchquert, der höchste Berg erklommen", sagt Trendexperten Ralf Stefan Beppler. Heute gehe es darum, die Aktivitäten so gut wie möglich im Leben unterzubringen. Wer wenig Zeit hat, will an kurzen Wochenenden möglichst weit mit dem Fahrrad oder beim Wandern kommen.

Mit dem einher geht eine Entwicklung zu neuen Formen von alten Sportarten: Speed-Hiking, Speed-Biking und Trail-Running. Auch dafür braucht man leichte Ausrüstung. Auch sollen die Stücke möglichst cool sein, denn es sind Aktivitäten, die Jüngere favorisieren. Und das ist in diesem Bereich eine noch recht neue Käufergruppe. Klassischerweise sei die Outdoorbranche etwas für Ältere, sagt Beppler. "Es geht ihnen ums Durchatmen und Abschalten vom Beruf an den Wochenenden."


dpa-Magazin / mag
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