Albträumen aktiv ein Ende setzen

Albträume gehen meist mit starken Gefühlen einher - auf Dauer können sie der Gesundheit jedoch massiv schaden. (Foto: Kai Remmers)

Eine große schwarze Kreatur, die einen verfolgt. Dann das jähe Ende in einer Sackgasse. Nacht für Nacht träumt manch einer denselben Albtraum, von dem er wieder und wieder aufwacht.

"Typisch für Albträume ist, dass sie mit starken negativen Gefühlen einher gehen", sagt Johanna Thünker von der Uni Düsseldorf. Meist sind es Ängste, aber auch Ekel, Wut oder Scham. "Diese Emotionen werden im Verlauf des Albtraums immer stärker, so dass man in der Regel dadurch aufwacht." Studien zufolge leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung unter chronischen Albträumen."Albträume an sich sind nichts Schlimmes", sagt Prof. Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Treten sie allerdings gehäuft auf, können sie gesundheitsschädlich werden. "Wenn man mindestens einmal die Woche in einem Zeitraum von etwa sechs Monaten Albträume hat, ist das ein Anhaltspunkt für eine mögliche Albtraumstörung. Dann ist Handeln angesagt."

Obwohl sie müde sind, zögerten einige Betroffene das Einschlafen hinaus, weil sie Angst vor ihren Albträumen haben, erläutert Brigitte Holzinger, Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien. Ein verminderter Schlaf drückt aber wiederum auf die Stimmung, die Konzentrations- und die Leistungsfähigkeit und kann langfristig zu Herzkreislauferkrankungen führen. Das sei ein Teufelskreis.

"Häufig treten Albträume bei Menschen auf, die etwas Traumatisierendes erlebt haben oder die sich in einer belastenden und stressigen Lebenssituation befinden", erläutert Holzinger. Wissenschaftler vermuten, dass vor allem sensible und kreative Menschen gefährdet sind. Oft treten Albträume auch in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen auf. Dennoch bilden sie ein eigenständiges Krankheitsbild, das auch von den Krankenkassen anerkannt ist.

Eine häufig angewandte Behandlungsmethode ist die Vorstellungs-Wiederholungs-Therapie, auch Imagery-Rehearsal-Therapy (IRT) genannt. "Der Betroffene übernimmt die Rolle des Regisseurs und erfindet ein neues Ende, das weniger beängstigend ist", sagt Thünker.

Der Patient schreibt die neue Traumfassung auf und stellt sie sich zwei Wochen lang mehrmals am Tag vor, damit sich die neue Denkweise auf den Albtraum überträgt. "Die IRT-Methode hat bisher die höchste Erfolgsrate", sagt Schredl. Zwar passiert es selten, dass Patienten die neue Traumversion tatsächlich im Detail träumen und sich daran erinnern können. "Aber der ursprüngliche Albtraum tritt nur noch in abgeschwächter Form und nicht mehr so häufig auf", sagt Thünker.

Literatur: Brigitte Holzinger: "Anleitung zum Träumen", Klett-Cotta Leben, 160 Seiten, ISBN 978-3-608-86008-5; Michael Schredl/Georg Rüschemeyer: "Träume", Ullstein, 287 Seiten, ISBN 978-3-550-08691-5.

dpa-Magazin / mag
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