Bei Schmerzen im Ballen erstmal den Fuß gut polstern

Hochhackig Schuhe, die insgesamt nicht die natürliche Abrollbewegung des Fußes unterstützen, fördern Fußfehlstellungen. (Foto: Andrea Warnecke)
 
Dreht sich der große Zeh zum Nachbarzeh und wird der Ballen an der Fußinnenseite dick, sprechen Fachleute vom Hallux valgus. (Foto: Grafik: dpa-infografik)

Es ist ein Problem, das vor allem Frauen kennen: Der Ballen auf der Fußinnenseite ist dick und rot, der große Zeh dreht sich zum Nachbarzeh. Das sieht in offenen Schuhen nicht nur hässlich aus, es schädigt auch Gelenke und Knochen. Mediziner sprechen von einem Hallux valgus, umgangssprachlich ist die Rede von Schiefzeh oder Ballen.

Mit den Fußproblemen sind in erster Linie oft Podologen konfrontiert. Die medizinisch ausgebildeten Fußpfleger behandeln Probleme an den Füßen, die nicht sofort ein Fall für Orthopäden oder Chirurgen sind. "Wenn der große Zeh eine X-Stellung hat, erkennt meist auch der Patient einen Hallux valgus sofort", sagt Tatjana Pfersich vom Verband Deutscher Podologen in Reutlingen. Hilfe suchen die meisten Betroffenen, weil die dicke, gerötete Stelle an der Innenseite im Schuh schmerzt. Es können sich Schleimbeutel entzünden, oder es tritt sogar Gelenkwasser aus, sagt Pfersich.Ein Fuß besteht aus 28 Knochen, etlichen Gelenken, Muskeln und mehr als 100 Bändern. "Die spannen sich über den Fuß wie die Streben eines Kirchenfensters", erläutert der Orthopäde Nils Lynen von der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF) in Wuppertal. Werden die Bänder zu weich, geht der Fuß in die Breite. Genau das passiert beim Hallux valgus im Bereich des Mittelfußknochens.

Weiter in Richtung Fußspitze haben die Bänder noch mehr Kraft und halten dort die Knochen enger zusammen. Dadurch schiebt sich in einer Hebelbewegung oft der große Zeh über seinen Nachbarn - und liefert damit das klassische Krankheitsbild. "Das harmonische Gleichgewicht der Sehnen im Fuß ist dann gestört", ergänzt Prof. Thomas Mückley vom Vorstand der Gesellschaft für Fußchirurgie.

"Frauen sind davon stärker betroffen, weil sie weichere Bänder haben. Nach einer Schwangerschaft verstärkt sich dieser Effekt sogar noch", erklärt Lynen. Neben einer erblichen Veranlagung spielen auch die Schuhe eine Rolle: Sind sie zu eng, hochhackig und unterstützen sie insgesamt nicht die natürliche Abrollbewegung des Fußes, fördern sie Fehlstellungen wie den Hallux valgus.

Zur Behandlung gehört daher zunächst, den Fuß zu polstern - etwa mit Silikonpölsterchen zur Druckentlastung. Begleiterscheinungen wie Hühneraugen oder Hornhautbildungen behandeln Podologen. Lynen betont, dass Einlagen immer individuell vom Orthopädieschuhmacher angepasst werden müssen: "Moderne, medizinisch passgenaue Einlagen können zum Beispiel bestimmte Auflagepunkte stimulieren und so eine gewünschte Muskelanspannung oder -entspannung anregen", erklärt er.

Erst wenn Patienten mit der Einlagentherapie immer noch klagen oder sich die Fehlstellung verschlimmert, ist eine Operation der nächste Schritt. "Das ist auch wichtig, um Metatarsalgien zu verhindern", sagt Mückley. "Darunter versteht man Schäden an Gelenken und Knochen der kleineren Nachbarzehen, die wegen des Hallux valgus überlastet werden." Bei einer OP wird die Fehlstellung korrigiert. Manchmal reicht es, nur Weichteile, also die Bänder zu bearbeiten, meist wird der Knochen durchtrennt und anders wieder angesetzt. Die Heilung dauert im Normalfall sechs bis acht Wochen.

GFFC-Patienteninfo zum Hallux valgus: http://asurl.de/bwt.

dpa-Magazin / mag
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