Blaue Flecken erwünscht: Schröpfen soll Verspannungen lösen

In seiner Praxis behandelt der auf Naturheilverfahren spezialisierte Medizinier Matthias Menschel etwa Verspannungen und Verhärtungen mit der Schröpftherapie. (Foto: Frank Rumpenhorst)

Das Schröpfen ist eine Therapie aus dem Bereich der Naturheilkunde. "Ziel ist, schädliche oder krankmachende Stoffe aus dem Körper zu entfernen", erläutert Ursula Hilpert-Mühlig, Vizepräsidentin des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker.

Geschröpft wird meist mit mehreren kleinen Gefäßen aus Glas oder Kunststoff. Sie werden auf den Körper platziert. "Elementar ist, dass in den Gefäßen ein Unterdruck erzeugt wird", erklärt Rainer Stange, Präsident des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin.

An den behandelten Stellen können sich Blutergüsse bilden. "Das ist therapeutisch so gewollt", betont der auf Naturheilverfahren spezialisierte Mediziner Matthias Menschel. Die blauen Flecken bleiben für einige Stunden oder Tage. Durch das Schröpfen wird das Gewebe stark durchblutet, der Lymphfluss angeregt. Zugleich sollen Verspannungen und Verhärtungen gelockert werden. "Schröpfen kann Blockaden lösen und dazu beitragen, Schmerzen zu lindern", sagt Hilpert-Mühlig. Die Anwendung ist eines der ältesten Therapieverfahren. "Nahezu jede Medizinkultur hat unabhängig voneinander Schröpfen praktiziert", sagt Stange.

Es gibt unterschiedliche Methoden: Beim blutigen Schröpfen werden die zu behandelnden Körperpartien vor der Behandlung leicht eingeritzt oder gestichelt. Durch den Unterdruck wird Blut und Gewebsflüssigkeit aus dem Körper gesaugt. Beim trockenen Schröpfen entfällt das Einritzen oder Sticheln. Außerdem gibt es noch die Schröpfkopfmassage. "Vor einer solchen Massage wird der Rücken mit Salbe eingerieben", erläutert Menschel.

Neben Verspannungen und Verhärtungen werden etwa auch Hexenschuss oder Durchblutungsstörungen behandelt. "Wichtig ist, dass das Schröpfen im Rahmen einer medizinischen Behandlung nur ein therapeutischer Schritt von mehreren ist", betont Menschel. Auch bei Nierenleiden oder Verdauungsstörungen kommt die Schröpftherapie zum Einsatz. Gleiches gilt für Nerven, Rücken- oder Kopfschmerzen.

Für wen sich die Schröpftherapie eignet ist individuell unterschiedlich und hängt nicht zuletzt von den Beschwerden ab. "Die genaue Vorgehensweise sollte jeder in Ruhe mit seinem Heilpraktiker oder Arzt besprechen", rät Hilpert-Mühlig. Wer blutverdünnende Medikamente einnimmt, darf nicht geschröpft werden.

Schröpftherapien werden von Heilpraktikern und Ärzten, die auf Naturheilverfahren spezialisiert sind, angeboten. Im Schnitt kostet eine Sitzung zwischen 50 und 80 Euro und dauert 30 bis 45 Minuten. Wie viele Sitzungen notwendig sind, ist von Fall zu Fall verschieden. Die Schröpftherapie gehört derzeit nicht zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). "Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass einige Kassen auf freiwilliger Basis zahlen", sagt Ann Marini, stellvertretende Sprecherin des GKV-Spitzenverbands.
dpa-Magazin / mag
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