Demenz kann auch junge Menschen treffen

Demenz? Das ist doch eine Erkrankung, die erst im Seniorenalter auftritt. Das denken viele Menschen, das stimmt aber nur bedingt.

Zwar sind vor allem Leute ab 65 Jahren betroffen, doch auch Jüngere können erkranken. "Diese Menschen fallen völlig aus dem Alltag", umschreibt es Prof. Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Sie stehen meistens noch im Berufsleben, sind in feste Terminpläne eingebunden. Kollegen, Freunde und Familie vermuten nicht direkt eine Krankheit, wenn sich das Verhalten auffällig ändert und der Betroffene zunehmend vergesslich wird.Doch dieses Symptom ist charakteristisch für die Frontotemporale Demenz, kurz FTD. Wie bei allen Formen der Demenz sterben dabei Gehirnzellen, in diesem Fall im Stirnhirn (Frontalhirn) und im Schläfenlappen (Temporalhirn). "Fünf bis zehn Prozent aller Demenzkranken leiden an einer Form der FTD", erläutert Richard Dodel, Neurologie-Professor an der Philipps-Universität Marburg.

Symptome sind Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltens- und Sprachstörungen, sagt Dodel. Betroffene registrierten die Veränderung in der Regel nicht, für das Umfeld sind sie extrem belastend. "Es ist der gleiche Organismus, aber ein anderer Mensch", erklärt Prof. Christian Haass, Demenzforscher im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München.

Bei der Alzheimer-Krankheit, an der zwei Drittel der Demenz-Betroffenen leiden, lassen die kognitiven Fähigkeiten nach. Zu den typischen Erinnerungslücken kommen Orientierungslosigkeit und Konzentrationsschwächen. Auch Alzheimer trifft vereinzelt jüngere Menschen. "Dabei handelt es sich immer um eine erbliche Veranlagung", sagt Haass. In allen Altersgruppen kann Demenz auch die Folge von anderen Krankheiten sein, etwa einer Durchblutungs- oder Schilddrüsenstörung und von Schlaganfällen. Ist die primäre Erkrankung behandelbar, bessert sich in der Regel auch die Demenz.

Alzheimer, FTD und die meisten anderen Arten der fortschreitenden Demenz sind jedoch nicht heilbar. Umso wichtiger ist daher die Betreuung. "Gerade bei jüngeren Betroffenen ist es schwierig, sich auf die Einschränkungen einzulassen", erklärt Sozialarbeiterin Susanna Saxl von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft (DalzG). Anders als bei Erkrankten im Ruhestand sind hier auch die Versorgung von Kindern oder die Regelung der Altersvorsorge ein Thema. Auch sind die Frühbetroffenen in der Regel körperlich fitter.

Körperliche Fitness ist für Betreuer eine Herausforderung. Für die Betroffenen ist sie eine Chance: "Sport ist das Einzige, was man gegen Demenz machen kann", sagt Prof. Haass. "Es ist durch Tierversuche belegt, dass körperliche und geistige Betätigung die Demenz zwar nicht verhindert, aber den Verlauf hinauszögert."

Geistige und körperliche Anregung sollte es für Patienten immer geben, auch in einem Heim. Bei aktiveren Jüngeren sind entsprechende Angebote schwerer zu finden. "Da kann man es mal in einer Behindertenwerkstatt versuchen", schlägt Saxl vor. Auch Wohneinrichtungen für psychisch Kranke hält sie bei Frontotemporaler Demenz für eine mögliche Alternative zum Altenpflegeheim.

Walking-Gruppen oder Tanzkurse helfen auch den pflegenden Angehörigen, weil sie den schwierigen Alltag auflockern. "Es gibt auch Urlaubsangebote speziell für Patienten und Betreuer, gemeinsam und getrennt", sagt Susanna Saxl. Solche Angebote sind wichtig, denn die Demenz wird immer schwerer. Sie selbst ist nicht tödlich. Aber sie begünstigt Sekundärerkrankungen, an denen auch Frühbetroffene schon innerhalb von drei Jahren sterben können.

Das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, auch für andere Demenzformen, ist erreichbar unter 259 37 95 14.

dpa-Magazin / mag
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