Depressionen im Alter: Serotoninmangel kann Ursache sein

Dr. Ann-Kathrin Meyer betont, dass Depressionen gut behandelt werden können und nicht als Alterserscheinung abgetan werden sollten. (Foto: Asklepios / Umsorgt wohnen)

Ein Beinbruch ist leichter zu diagnostizieren als eine Depression. Die Anzeichen sind bei dieser seelischen Erkrankung vielfältig und für den Laien nicht eindeutig. Die Menschen sind antriebslos.

Wer ein für Depressionen typisches Morgentief erlebt, dem steht der Tag wie ein Berg bevor. Lustlosigkeit kann einen wichtigen Hinweis geben, genauso wie Ein- und Durchschlafstörungen. Leider ist die Hemmschwelle in der Bevölkerung groß, um der Sache beim Arzt auf den Grund zu gehen. Selbst wenn die Betroffenen über ihre seelischen Tiefpunkte klagen, reagiert das Umfeld darauf oft hilflos mit Sätzen wie „Das wird schon wieder“ oder „Das ist eben das Alter, da kann man nichts machen“. „Vollkommen falsch“, sagt Dr. Ann-Kathrin Meyer. Die Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie (Altersheilkunde) stellt bei vielen ihrer Patienten, die eigentlich wegen einer Demenz, eines Schlaganfalls oder Bruchs behandelt werden, eine Depression als Nebenerkrankung fest.

Einsamkeit, der schmerzhafte Verlust von Angehörigen oder gesundheitliche Nackenschläge machen traurig und depressiv. Doch auch organische Ursachen können Auslöser dafür sein. Das muss allerdings nicht als Altersschicksal hingenommen werden. „In vielen Fällen fehlt einfach nur Serotonin im Gehirn. Dieser Hormonmangel kann mit einfachen Mitteln medikamentös behandelt werden“, erklärt Dr. Meyer. Außerdem gibt es häufig Zusammenhänge zwischen Diabetes und Depressionen. Bei der so genannten Pseudodemenz wirkt der Betroffene verwirrt, dahinter steckt jedoch ebenfalls eine Depression, die behandelt werden kann.

Wichtig ist, dass sowohl die Betroffenen als auch die Familien, Freunde und Nachbarn aufmerksam mit den Symptomen einer Depression umgehen. Man darf dieses Thema gern offensiv ansprechen. Fragen wie „Wie ist Ihre Stimmung?“, „Sind Sie oft traurig?“ oder „Wie schaffen Sie Ihren Alltag?“ öffnen oft die Herzen und die von einer Depression betroffenen Menschen haben das Gefühl, dass da jemand ist, der Verständnis für die eigene Situation hat. Mit dem Satz „Ich brauche Hilfe!“ ist dann ein wichtiger Schritt getan. Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein, um eine fachlich fundierte Diagnose stellen zu können.
Jochen Mertens / jm


Weiterführende Informationen für Senioren unter  0800 600 89 84 und im Internet unter www.umsorgt-wohnen.de.
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